In diesen Tagen haben mehrere Kapitalanlagegesellschaften ihre Jahres- beziehungsweise halbjahresberichte vorgelegt. Für den Anleger sind die Ergebnisse enttäuschend. Die Anteile aller Fonds mußten Wertrückgänge hinnehmen. Die Kurssteigerungen am deutschen Aktienmarkt zu Beginn dieses Jahres konnten die später eingetretenen Kurseinbußen nicht wettmachen.

Besonders schlecht sind die Anleger der international investierenden Fonds dran. Sie tragen nicht nur an der meist enttäuschenden Kursentwicklung an den ausländischen Börsenplätzen, sondern müssen obendrein noch die durch die Wechselkursänderungen eingetretenen Währungsverluste hinnehmen. Für die US-Anlagen machen sie seit Jahresbeginn immerhin 25 Prozent aus.

Konnten deutsche Fonds ihren Anlegern Währungsverluste durch entsprechende Kurssicherung ersparen? Die Meinungen der Fondsverwalter gehen hier auseinander. Beim Atlanticfonds (er gehört zur Gruppe Union Investment) sei das Währungsrisiko rechtzeitig durch Kurssicherungsgeschäfte eingeschränkt worden, heißt es im Zwischenbericht. Hansainvest (er gehört der Iduna und der Vereinsbank in Hamburg) hebt hervor, daß Verluste für die Aktienfonds durch mehrmalige Kurssicherungsgeschäfte weitgehend vermieden worden sind.

Anders verhielt sich dagegen die ADIG. Sie ist – wie der Commerzbank-Sprecher Paul Lichtenberg auf einer Pressekonferenz erklärte – gegen eine Kurssicherung. "Ein Anleger", so sagte er, "der sich für internationale Fonds entscheidet, nimmt zusätzlich zum Kursrisiko auch ein Währungsrisiko in Kauf." Lichtenberg räumt ein, daß man über die Richtigkeit einer solchen These streiten kann, gibt aber zu bedenken, daß die Kurssicherung hohe Kosten verursacht. Ich meine, daß es sich die ADIG in dieser Hinsicht zu einfach macht. Eine Fondsverwaltung sollte jede Möglichkeit nutzen, das Vermögen ihrer Anleger vor vermeidbaren Verlusten zu schützen. Ein Anleger, der aus eigener Initiative ausländische, hier vor allem amerikanische Aktien besitzt, wird in der Regel von seiner Bank aufgefordert, sein währungsgefährdetes Engagement durch entsprechende Devisengeschäfte zu sichern. Warum will man den "kleinen Anleger" nicht gleichermaßen vor Verlusten bewahren, auch wenn das natürlich einiges kostet?

Der Hinweis, daß die ADIG-Fonds Adiropa und Fondis trotz der Abwertungsverluste jeweils im Mittelfeld der Entwicklung lagen, ist nicht zugkräftig. Möglicherweise hätten sie bei einer Kurssicherung besser gelegen.

Ob bei einer geschickteren Anlagepolitik die eingetretenen Kursverluste vermeidbar gewesen wären, ist eine Frage, die nachträglich immer mit einem Ja zu beantworten ist. Daraus aber den Schluß zu ziehen, Fondsmanager sind im Grunde ihr Geld nicht wert, oder gar zu unterstellen, sie arbeiten nicht im Interesse der kleinen Anleger, sondern nur zum Nutzen der Gesellschafterbanken, ist töricht und böswillig. Die ewigen Besserwisser sollten im stillen Kämmerlein prüfen, wie sie es denn besser gemacht hätten. Wie schwer es ist, an der Börse immer "richtig zu liegen", haben in den letzten Monaten die zahlreichen Investmentklubs feststellen müssen. Und sie haben es, da sie im Grunde nur kleine Beträge anzulegen haben, noch relativ leicht, die ihnen als richtig erscheinende Anlage zu wählen. Die großen Fonds sind in der Durchführung ihrer Entschlüsse sehr viel schwerfälliger.

Fonds können schon von ihrer Satzung her keine Radikallösungen treffen. Von einem bestimmten Zeitpunkt in diesem Frühjahr an gab es theoretisch nur eine richtige Entscheidung: Alle Aktien verkaufen und das Geld als Termineinlagen ausleihen! Der Direktanleger in Aktien konnte danach handeln (aber wer tat dies schon?), aber nicht der Fonds.