Die ersten Wochen seiner einjährigen Weltreise hat Jörg Hänel hinter sich. Nach dem Start in Luxemburg kam er über Florida und die Bahamas, über die er in der letzten Folge berichtete, nach Mexico.

Nach einigen Tagen in Mexico City reiste er südlich durchs Land zu den Städten Muna und Merida, von wo er einige Impressionen schickte.

Merida, im August

Wie der Zufall so spielt – du gehst ins Touristenbüro Mexiko-City, und dir entgegen kommen zwei Bekannte aus Alemania. Selbe Route durch Mittelamerika und eigener VW-Kombi. Moctezuma sei Dank, die nächsten Wochen werden bequem und billig!

Rund um Mexico-City die Kakteen wüste. Haushohe Orgelpfeifen, aus denen man Zäune macht. Andere ausladend wie Bäume, zerfressen, verholzt. Zerbröselndes Gestein. Bewachsene Hügel, noch nicht ausgegrabene Pyramiden. Niedrige, fensterlose Hütten im Staub und Dreck entlang der Straße. Busse scheppernd wie verrostete Konservendosen mit langen Staubschweifen. Glut flimmert. Durst. Und überall Coca und Pepsi was here – zerbeulte Schilder und wandgroße abbröckelnde Fresken.

Ein reiches Zimmer. Fallender Putz, fleckiges Schmutzigrosa, Bonbongrün und Fahlblau, keine Kante gerade, alle Ecken abgestoßen, Sorglosigkeit derer, die Wohnen nicht als Kult betreiben. Kaum Möbel, aber an den Wänden Haken für Hängematten. Auf dem einzigen Panel eine Plastikpuppe von dem letzten Besuch in der Hauptstadt, eine Coca-Reklame, ein geschnitztes Holzkreuz. An der Wand daneben die kolorierten verblichenen Photographien der Familie, la Vierge Maria im Alpenglühen, ein Illustriertenbild vom amerikanischen Filmliebling. Die nackte Glühbirne hängt am morschen Draht an der Decke. Fußboden aus kaum erkennbaren Fliesen. Hinterm Moskitonetz in der Hängematte räuspert sich lautstark der Familienchef. Durch die offene Tür schreien von der Plaza die Chicos. Irgendwo im Dunkel des Nebenraums werden Tortillas gebacken.

Das Städtchen Muna. Abendfahrt. Dicke Käfer und gelegentlich Vögel klatschen gegen die Windschutzscheibe – sie haben sich hier noch nicht an Autos gewöhnt, Die Sonne ist untergegangen. Plötzlich sind neben der Landstraße im Dschungelgebüsch die fensterlosen Knüppelholzhütten. Aus dem offenen Mitteleingang fällt Kerzenschein. Hängematten. Jetzt auf der Straße phlegmatische Käferfamilien, Radfahrer ohne Licht. Schlafende. Niedrige Steinhäuser.