Seit es das Berliner Transitabkommen gibt, das praktisch eine unkontrollierte Durchfahrt durch die DDR garantiert, nutzen dort anscheinend immer mehr Bürger dieses Schlupfloch in die Freiheit, manche mittels skrupelloser Geschäftemacher, andere mit Hilfe Gutmeinender. Auch auf dem Umweg über Ostblockstaaten kommen mehr und mehr Flüchtlinge in die Bundesrepublik.

In einer Doppelaktion will die DDR nunmehr auch diese verbliebenen Löcher stopfen: Gegenüber der Bundesregierung drohte sie versteckt mit der Rückkehr zu alten Verzögerungspraktiken, wenn der Mißbrauch nicht unterbunden werde. Mit dem Erfolg kann die DDR zunächst zufrieden sein: Sie hat Bonn eigen Schrecken eingejagt, wohl wissend, daß die Bundesregierung ziemlich wenig gegen den Mißbrauch der Transitwege ausrichten kann, strafrechtlich schon gar nicht.

Die DDR ist auch bei der rumänischen und bei der tschechoslowakischen Regierung vorstellig geworden, aus deren Ländern auffallend oft eine Flucht gelingt. Da ihre Demarchen anscheinend nichts genutzt hatten, bat sie den Kreml um Hilfe. Beim letzten Gipfeltreffen auf der Krim wurden Ceausescu und Husak von Breschnjew gerügt und alle Parteiführer zu striktem Beistand für die DDR verpflichtet.

Mag man sich hierzulande darüber erbosen und erregen – daran ändern kann man von hier aus nichts. Die Bundesregierung kann nur eine Politik betreiben, die vielleicht eines Tages den Menschen in der DDR eine Lockerung und mehr Menschlichkeit beschert. Eine Garantie auf Erfolg hat die Bundesregierung jedoch nicht. e. n.