Von Michael Jungblut

Es ist kaum drei Jahre her, da machte sich selbst der Papst Sorgen um die Preise von Kupfer, Kopra und Kakao. In einer Ansprache nannte er es "einen Skandal, daß die reichen Länder zu den niedrigsten Preisen die Produkte der armen Länder kaufen, ihre eigenen Erzeugnisse aber zu sehr hohen Preisen anbieten". Und zumindest für die Dauer seiner Afrika-Reise 1971 befand auch Frankreichs Staatspräsident Pompidou, daß eine "Korrektur der harten Marktgesetze notwendig ist, damit endlich die Erzeugnisse der Entwicklungsländer gerecht bezahlt werden".

Vertreter der dritten Welt wurden ebenfalls nicht müde, den Industriestaaten Ausbeutung vorzuwerfen. Noch auf der zeitweise in ein Tribunal umfunktionierten Welthandelskonferenz von Santiago forderten sie im April vorigen Jahres lautstark "kostendeckende, gerechte und stabile Preise" für ihre Produkte.

Heute spricht niemand mehr von einer Korrektur der harten Marktgesetze – am wenigsten die Entwicklungsländer. Denn wie die Commerzbank in ihrem jüngsten Außenhandelsbericht feststellt, haben "viele Rohstoffe inzwischen neue, noch nie dagewesene Spitzenpreise erreicht". Deren Niveau sei "teilweise rational kaum noch zu erklären", urteilt das Hamburger Institut für Wirtschaftsforschung (HWWA).

Der Reuter-Index, der seit 1932 die Preisentwicklung von 17 wichtigen Rohstoffen widerspiegelt, hat sich innerhalb der letzten zwölf Monate nahezu verdoppelt. Stand er Anfang August 1972 noch bei 575 Punkten, so erreichte er in diesem Monat die Rekordmarke von 1126. Selbst während des Korea-Krieges, als für Rohstoffe bis dahin nie gekannte Preise notiert wurden, hatte Reuters Fieberthermometer der Rohstoffspekulation nie mehr als 626,5 angezeigt.

Noch spektakulärer als die Entwicklung des Index ist der Preisauftrieb bei einzelnen Rohwaren. Bei Zink beispielsweise wurde der Börsenpreis des Vorjahres im Juli um 169 Prozent übertroffen. Kupfer wird gegenwärtig zu Preisen um 875 Pfund Sterling je Tonne gehandelt. Im vergangenen Jahr wurden dagegen nur zweimal für kurze Zeit 450 Pfund notiert.

Darüber freilich, wie sich die steigenden Preise auf die wirtschaftliche Lage der Entwicklungsländer auswirken, gibt es nur Vermutungen. "Das werden wir erst in zwei bis drei Jahren sagen können, wenn die entsprechenden Statistiken der UNO vorliegen", heißt es übereinstimmend in den einschlägigen Forschungsinstituten und im Bonner Entwicklungs-Ministerium.