Bis auf die winzige Pazifikinsel Nauru, die ohnehin nie an großen Commonwealth-Konferenzen teilnimmt, sind alle Mitgliedstaaten (es sind 33 mit insgesamt 860 Millionen Einwohnern) auf der Commonwealth-Konferenz in Ottawa vertreten gewesen. Es ging bei dieser Konferenz nicht darum, Resolutionen zu verabschieden und Probleme zu bewältigen. Vielmehr sollte der Standort dieses vielschichtigen Staatenverbandes bestimmt werden, in dem jeder Mitgliedstaat, gemäß der Deklaration der Commonwealth-Prinzipien, die auf der letzten turbulenten Konferenz in Singapur 1971 verabschiedet wurden, sich selbst verpflichtet ist.

Alle Commonwealth-Staaten sehen sich, nach den Worten des britischen Premierministers Heath, hineingestellt in eine gewandelte Welt, die gekennzeichnet ist von dem veränderten Verhältnis der Weltmächte zueinander, der Vergrößerung der Europäischen Gemeinschaft und dem teilweisen Zusammenbruch des Welthandels- und -währungssystems. Seine entschiedene Absage an die Isolierung und sein Bekenntnis zu Kooperation vermochte dennoch nicht jene Mitgliedstaaten zu beruhigen, die in dem Beitritt Großbritanniens zum Gemeinsamen Markt das größte Problem für das Commonwealth sehen.

Die Tatsache, daß im Dezember 1971 zum erstenmal ein Commonwealth-Land ein anderes im Krieg zerschlug (nämlich Indien seinen Nachbarn Pakistan) und daß im Herbst 1972 ein anderes Commonwealth-Land zum erstenmal das Prinzip der rassischen Toleranz rüde verletzte (nämlich Uganda mit der Vertreibung der Asiaten), war der Konferenz ein zu heißes Thema. So hörte man sich zwar die Ausfälle des ugandischen Außenministers Etiang an, der das Commonwealth zur "Schwatzbude" deklarierte und den explosivsten Rassenkrieg im Süden Afrikas ankündigte, so vernahm man die Forderung Kenias nach der sofortigen Gründung einer Commonwealth-Bank für Entwicklungshilfe, man diskutierte über eine Liberalisierung des Welthandels und der Zoll- und Handelspräferenzen, verschloß sich dem Wunsch Neuseelands und Australiens, Frankreich wegen seiner Atomtests zu verurteilen und zog sich lieber auf die Präambel des Atomsperrvertrags zurück und vermied es überhaupt, unrealistische Ziele anzustreben.

Die Konferenz stellte sich so dar, wie sie der kanadische Ministerpräsident Trudeau charakterisiert hatte, als ein Gremium, das den Wunsch hat, miteinander zu beraten und Probleme der Zukunft zu diskutieren.