"In der Klemme", Kriminalroman von Stanley Ellin. Vierzehn Tage nach Abschluß einer Lebensversicherung fährt Walter Thoren, untadeliges Musterexemplar der Geldaristokratie Floridas, gegen einen Baum. Der tödliche Unfall kostet die Guaranty Life Insurance Company 200 000 Dollar. Die Hälfte davon gehört Privatdetektiv Dekker, wenn es ihm gelingt, Selbstmord nachzuweisen: "Ich bin so eine Art letzte Hoffnung für eine ganze Reihe von Versicherungen." Ellin konzipierte eine analytische Detektivstory, ohne die notwendige intellektuelle Spannung zu erzielen: Dekkers Rechenpuzzle überfordert die Geduld des Lesers. Zwischen (irreführenden) Mutmaßungen und (weiterführenden) Resultaten besteht ein ärgerliches Mißverhältnis. Auch das Society-Kolorit (die "geschlossene Gesellschaft" von Miami Beach ist ordnungsbewußt und judenfeindlich) macht das reichlich abgenutzte Sujet nicht attraktiver. Im Gegensatz zu Lew Archer, dem pessimistischen Gesellschaftsdiagnostiker Ross Macdonalds, der lapidar und mit nüchternem Gespür für die defekte menschliche Moral operiert, schafft es Dekker nicht ohne aufwendige Strategie. Als Schriftsteller getarnt, mietet er ein Haus neben dem Grundstück der Thorens in Miami Beach und engagiert eine Gelegenheitsschauspielerin als "Ehefrau", was die schließlich teuer erkaufte Aufklärung des Falles zusätzlich kompliziert. – Ein Gangsterring kannte die "geheimnisumwitterte Vergangenheit Thorens" (Klappentext) und erpreßte ihn, allerdings mit erheblicher Verspätung. Der Muster-Amerikaner war deutscher Sabotage-Experte, der 1942 an der Küste Floridas abgesetzt wurde und auf der Flucht einen Mord beging: karger Lohn für 300 Seiten mäßige Unterhaltung. (Aus dem Englischen von Alfred Scholz; Goverts/Krüger/Stahlberg Verlag, Frankfurt; 311 S., 26,– DM.) Wer den anderen Ellin schätzt, den behutsamen Zyniker und verhaltenen Angstmacher, mag sich mit seinen – soeben unter dem Titel "Spezialitäten des Hauses" neu aufgelegten – Erzählungen trösten. Der Band enthält sämtliche Horror-Delikatessen aus "Sanfter Schrecken" und "Die Segensreich-Methode". (Aus dem Amerikanischen von Arno Schmidt und Kristin Wallstroem; Scherz Verlag, Bern/München; 350 S., 16,80 DM.) Egbert Hoehl