Von Barbara von Jhering

Geahnt hatten wir es eigentlich schon in Frankfurt, daß bei dieser Reise so manches nicht klappen würde, denn mit dem Flugschein wurde Ungewißheit ausgehändigt: Ob wir in den Irak hineinkämen, sei noch völlig offen, auf die ordnungsgemäßen Visaanträge habe man keine Antwort erhalten, hieß es.

Unverzagt klettert die Gesellschaft ins Flugzeug: Streß und Risiko werden von emanzipierten Touristen heute wie selbstverständlich einkalkuliert, zumindest wenn es in den Nahen Osten geht und schon gar wenn es sich um die eigene Spezies der Studienreisenden handelt: Der Münchner Veranstalter Studiosus jedenfalls hat es verstanden, sich solche Kunden heranzuziehen.

Statt in Bagdad landen wir zunächst einmal in Beirut, in der Hoffnung, das Visum für den Irak dort zu bekommen. Zwangsaufenthalt im Libanon.

Nach drei Tagen wagen wir schließlich doch das Abenteuer, ohne gültiges Visum in einen totalitären Staat einzureisen, nur mit einer recht vagen Empfehlung des irakischen Botschafters in Beirut versehen, man möge uns "bevorzugt behandeln". Immerhin hat das Visumdilemma einen sehr konkreten Grund: Eine Woche vor unserem Eintreffen war ein Putsch gegen den Präsidenten fehlgeschlagen, in den nicht zuletzt die Leute verwickelt waren, die in diesen Ländern für Einreisende zuständig sind: der Sicherheitsminister war der Anführer gewesen, der Innenminister sein Opfer. 35 Verschwörer waren, erschossen worden – und ausgerechnet dieses Regime, das als das grausamste im Nahen Osten gilt, verkauft seine blutige Gerechtigkeit "im Namen Allahs, des Gerechten und Barmherzigen".

Bagdad empfängt uns ungastlich. Die Beamten, zunächst mißtrauisch, dann bemüht, können nichts machen, schicken uns in den Transitraum. Zur Belustigung der Zuschauer hinter einer Glaswand, die offenbar sippenweise erscheinen, um Verwandte und Freunde zu verabschieden, machen es sich die Ausländer auf den Bänken bequem. An den Wänden das Bild des Staatspräsidenten Hassan al Bakr und Plakate. Zwischen "Visitez l’ Iraque" und "The Land of the Golden Minaretts" auch ein anderes: "Remember Palestine." Überraschend kommt schließlich die Nachricht, wir dürften doch ins Hotel.

Von der sagenhaften Schönheit Bagdads zur Zeit des Abbasiden-Kalifen Harun al-Raschid ist nach dem Mongolensturm nichts geblieben. Einziger Prachtbau – ist die Moschee in der persischen Vorstadt Kazimain, eines der vier größten Heiligtümer der Schiiten, mit vergoldeten Hauptkuppeln und Minaretts. Ungläubige können nur vom Dach eines benachbarten Pilgerhotels in den Innenhof schauen und die Mosaiken bewundern, die wie ein Gruß aus dem persischen Isfahan anmuten.