Von Heidi Dürr

Karriereprofis wissen es schon lange: In den Nebenzimmern der Bosse hat schon oft der berufliche Aufstieg angefangen. Dort nämlich sammeln die Assistenten der Führungskräfte jene Kenntnisse, Erfahrungen und Kontakte, die ihnen als Trittbrett zum eigenen Erfolg dienen. Das ist in der Wirtschaft ebenso wie in der Politik. Und das gilt auch für Rundfunk und Fernsehen.

In den öffentlich-rechtlichen Anstalten tragen die Assistenten meist den Titel "persönlicher Referent". Sie sind mehr als Sekretärinnen ohne Diktatzwang. Für ihre Vorgesetzten üben sie die Funktion eines Siebes aus: Sie sieben die Arbeit, die Post, die Informationen und halten schließlich die Unannehmlichkeiten zurück.

Referenten bearbeiten als erste die eingehende Korrespondenz. Der derzeitige Assistent des Frankfurter Intendanten Werner Hess, Hans-Werner Conrad, erledigt beispielsweise über die Hälfte der täglichen Post selber. Die Referenten bereiten Gespräche und Verhandlungen vor, sie vermitteln und beschaffen hausinterne und externe Nachrichten, sie nehmen an den Sitzungen der Aufsichtsgremien (also des Rundfunk- beziehungsweise Fernsehrats und des Verwaltungsrats) teil und sie begleiten den Intendanten zu dessen Terminen.

Je besser ein persönlicher Referent ist, desto mehr geht über seinen Schreibtisch und sein Telephon. "Die besten unter ihnen", sagt einer der Senioren der deutschen Rundfunk-Publizistik, "haben mit ihren Intendanten ein paar gemeinsame Leichen im Keller."

Das ist bekanntlich nicht die schlechteste Voraussetzung für eine Karriere. Denn wenn ein Chef einen wichtigen Posten zu besetzen hat, greift er gern auf einen Mann zurück, dem er ohne Einschränkung vertraut. So gibt es in der Nachkriegsgeschichte des deutschen Rundfunks mindestens 18 ehemalige persönliche Referenten von Intendanten oder Direktoren, die heute Spitzenpositionen in den 13 Anstalten innehaben.

Das jüngste Beispiel für die Karriere eines befähigten Referenten ist Dieter Stolte, Jahrgang 1934, seit April Fernseh-Programmdirektor beim Südwestfunk in Baden-Baden. Stolte, der Philosophie, Geschichte und Germanistik studiert hat und ursprünglich an der Uni Karriere machen wollte, begann seine berufliche Tätigkeit als Hörfunk-Redakteur des Saarländischen Rundfunks.