Als die grauhaarige Sekretärin Wienands, die nach einer Kur am Tegernsee wieder blond geworden, war, in Vertretung von Wehners Sekretärin, die einen kleinen Urlaub nehmen mußte, den bekannten Panzerschrank öffnete, wurde sie schlohweiß. Frau Baeuchle lag nämlich nicht mehr dort, wie sie zuletzt gelegen hatte. Dann waren da noch innere Kratzspuren, die höchstens fünf Jahre alt sein konnten. Dem Untersuchungsausschuß, der sich zu einer Anhörung vor dem Schrank versammelt hatte, konnte sie alles erklären: "Wienand hat mich gekratzt. Das habe ich mit eigenen Augen gehört."

Dazu erklärte ein SPD-Sprecher, man kenne den Täter. Er sei ein Unbekannter Wehners, von dem: man nur die Hausnummer und die Schuhgröße wisse. Darauf erwiderte die CDU, hier sei einer geschmiert worden. Darum sei das ganze eine Schmierenkomödie. In schärfer Form forderte die SPD auf, ihre Verleumdung zurückzunehmen. Diese Behauptung wurde von dem CDU-Sprecher Weißkirch zurückgewiesen.

Vor dem Untersuchungsausschuß sagte ein Entlastungszeuge Wienands aus, er könne mit ziemlicher Sicherheit beschwören, Steiner habe die 50 000 Mark nicht von Wienand bekommen, sondern vom Lotto. Das wisse er genau, denn an diesem Tage habe das Mißtrauensvotum stattgefunden, und zwar während sich Wienand in einem ganz anderen Zimmer aufhielt.

Nun konnte die CDU ihr Mißtrauen nicht länger verbergen, und wies dabei auf die verlotterten Zustände in der SPD hin. Die ließ das nicht lange auf sich sitzen. Damit wolle die CDU nur von ihrer eigenen Verschwörung ablenken; außerdem verwahre sich die SPD gegen Unterstellungen jeder Art.

Kaum hatte sich der Untersuchungsausschuß wieder etwas gesammelt, da gab es einen neuen Skandal. Sein Vorsitzender, Professor Schäfer, mußte unumwunden zugeben, er habe am 27. April 1972 etwas läuten gehört. Als seine CDU-Kollegen dieses sensationelle Geständnis hörten, platzten sie erst vor Wut, und wollten dann den Ausschuß planen lassen. Sie erklärten sich dann doch zur weiteren Mitarbeit bereit, ließen Professor Schäfer aber erst mit der Untersuchung fortfahren, nachdem er sich selber hatte untersuchen lassen. Davon erschöpft, ließ sich der Vorsitzende auf dem Sofa der Familie Baeuchle nieder, ohne sich seine Befangenheit anmerken zu lassen, und vernahm einen Zeugen vom Verfassungsschutz, der etwas trug, was einem falscher Schnurrbart täuschend ähnlich sah. Als jemand daran zupfte, verlor Moersch die Fassung, und rief: "Den lasse ich mir nicht nehmen", um dann seine eigene Aussage voll und ganz zu bestätigen.

Darauf legte der echte Verfassungsschützer seine falsche Perücke ab und erklärte, das habe er mit eigenen Ohren abgehört. Damit schien Wienands Aussage schwer erschüttert. Aber dann erklärte Fläming (SPD), er sei auch schon mal. Und wie! Dazu meinte die CDU, Fläming habe aber auch schon mal, und das vor Zeugen!

Da bahnte sich eine entscheidende Wendung an. Ein Freund Steiners erklärte nämlich zu seiner Stimmenthaltung, Steiners Enthaltsamkeit sei sattsam bekannt. Reddemann (CDU) enthielt sich jeden Kommentars, ließ aber in diesem Zusammenhang das Wort "Saustall" fallen. Darauf ließ Professor Schäfer sofort die Öffentlichkeit aus- und Reddemann ungerührt in Wehners Panzerschrank einschließen, wo noch immer Frau Baeuchle saß, die man fast vergessen hatte. Aufgekratzt unterhielt sie sich mit Steiner, der sich dort vor der "Quick" versteckt hielt. Sollte man den Schrank in einigen Jahren mal wieder öffnen, wird man frische Kratzspuren finden, die sich keiner erklären kann.