Nach neuntägiger Dauer sind am Sonntag die zehnten "Weltfestspiele der Jugend und Studenten", die unter dem Motto "Für antiimperialistische Solidarität, Frieden und Freundschaft" standen, in Ostberlin zu Ende gegangen. Wie die Festivalleitung zum Abschluß bekanntgab, sei das Treffen ein "voller Erfolg" für die DDR gewesen: 25 000 ausländische Delegierte und Gäste aus 140 Staaten und mehr als 1500 Organisationen, mehr als 1500 politische, kulturelle und sportliche Veranstaltungen mit mehr als fünf Millionen Besuchern, 500 000 Teilnehmer der "Freien Deutschen Jugend" (FDJ), 1500 akkreditierte Journalisten aus fast 90 Ländern.

Die Spiele wurden trotz des Todes von Walter Ulbricht am Mittwoch voriger Woche in vollem Umfang weitergeführt. Der DDR-Staatsratsvorsitzende und ehemalige SED-Chef, der im Alter von 80 Jahren starb, hatte den Wunsch geäußert, daß die Veranstaltung nicht unterbrochen werde.

Die Sprecher der Delegation aus der Bundesrepublik (800 Teilnehmer verschiedener politischer Richtungen) erklärten, daß ihre Teilnahme erfolgreich und richtig gewesen sei. Man habe sich informieren und die eigenen Auffassungen vortragen können. Die anfängliche Verkrampfung bei den innerdeutschen Begegnungen und Diskussionen legte sich nach zwei Tagen; in zahlreichen Debatten unter freiem Himmel und bei Veranstaltungen zwischen Bürgern der DDR und der Bundesrepublik kam es anschließend zu freimütigen Aussprachen, die nach Ansicht vieler Beobachter und mancher DDR-Bewohner auch Auswirkungen im Inneren haben werden. (Siehe auch Dokumente der ZEIT.) Die SED-Führung habe im Verlauf der neun Tage jene Freizügigkeit aus Selbstsicherheit gezeigt, die nach dem Abschluß des Grundvertrages erwartet worden sei. Mit dem Festival sei ein Maß gesetzt worden, hinter das die SED schlecht werde zurückgehen können.

Dagegen kritisierten westliche Teilnehmer die "verzerrte" und "einseitige" Berichterstattung in der Bundesrepublik. Die Behinderungen westdeutscher Teilnehmer seien vermerkt, die konziliante und schnelle Reaktion der DDR auf Proteste aber übergangen worden.

Zum Abschluß gab die Staats- und Parteiführung einen Empfang im Park von Schloß Niederschönhausen, auf dem sich SED-Chef Honecker eine halbe Stunde lang mit SPD-Abgeordneten des Bundestages und des Hessischen Landtages unterhielt. Honecker würdigte das Fest als Erfolg, das "tiefe Spuren" hinterlassen habe. In ungewöhnlich gelockerter Form ließ Honecker anklingen, daß weitere Kontakte zwischen den beiden deutschen Staaten möglich seien; dazu gehöre "selbstverständlich" auch ein Zeitungsaustausch.

Bei den zahlreichen Massenveranstaltungen hatten die Vertreter der afrikanischen Kolonialgebiete Portugals im Mittelpunkt des Interesses gestanden. In vielen Reden wurde hervorgehoben, daß nur die Beseitigung der Reste imperialistischer Herrschaft den Frieden sichern könne. Dazu und zur Verminderung der weltpolitischen Spannungen sei vor allem die Jugend aufgerufen.