Man könnte Herrn Dr. Strauß nach Griechenland schicken, um dort die Flagge der Humanität zu hissen. Herrn von Hassel nach Südafrika, um dort das gleiche zu tun. Vielleicht führe Herr Dr. Schneider von der CSU gern nach Portugal, um sich des intellektuellen Lebens dort anzunehmen ... Und wenn sie dann alle zurückgekehrt sind aus diesen westverbündeten Ländern ..., wird auch der PEN-Club es gewiß nicht an Dankbarkeit fehlen lassen. Und wenn dann erst beide, CDU und CSU, sich ihrer publizistischen Helfershelfer in Sachen Diffamierung und Denunzierung entledigt haben, könnte ein ganz neues Demokratiegefühl die Versöhnung mit den Intellektuellen hierzulande wesentlich fördern. Heinrich Böll

Vorherbestimmte Bestseller

Noch sind die Bücher zum größten Teil nicht erschienen, noch hatten sie gar keine Gelegenheit, sich beim Publikum beliebt zu machen, da steht, auf Grund der Verkaufsstrategie der Bestsellerfabriken, schon mehr oder weniger fest, welches die Bestseller des kommenden Herbstes sein werden: Joachim C. Fests "Hitler" (im Propyläen Verlag) hat eine Rekord-Startauflage von 200 000, der neue Simmel-Roman "Die Antwort kennt nur der Wind" (Droemer Knaur) erscheint in über 150 000 Exemplaren, zunächst 100 000 Exemplare werden gedruckt von Siegfried Lenz’ Roman "Das Vorbild" (Hoffmann und Campe) und Kishons Satiren "Kein Applaus für Podmanitzki" (Langen Müller), mit 50 000 Stück gehen in den Verkauf Lothar-Günther Buchheims Roman "Das U-Boot" (Piper), Dänikens "Meine Welt in Bildern" (Econ), Gerhard Herms "Phönizier" (Econ) und Werner Kellers "Was gestern noch als Wunder galt" (Droemer Knaur). Das Buch mit der neben dem von Fest meisten Voraus-Publizität, Norman Mailers "Marylin", rangiert mit 20 000 ziemlich weit unten.

Jean-Pierre Melville

Der Mann mit dem charakteristischen Stetson auf dem Kopf begann seine Karriere mit Verfilmungen von Paul Vercors und Jean Cocteau. Später kultivierte er das Genre des französischen Unterweltfilms zu weltweit bewunderten Kinostücken von ritualisierter Schönheit und kühler Melancholie. "Der zweite Atem", "Der eiskalte Engel", "Vier im roten Kreis", "Der Chef": die Mythen der Samurai-Ritter und die Tradition des amerikanischen Gangsterfilms vereinten sich hier zu europäischem Kunstkino. Am 2. August starb Jean-Pierre Grumbach, der sich aus Verehrung für den "Moby Dick"-Autor Melville nannte, an einem Herzanfall in Paris.

Oberbürgermeister als Rezensent

Frankfurts Oberbürgermeister Rudi Arndt ist nun auch als Literaturkritiker hervorgetreten. In der letzten Ausgabe von "pardon" verreißt er den neuen Roman von Gerhard Zwerenz, "Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond". Er führt nicht nur an, was man von einem Bürgermeister erwartet: Frankfurt und die Frankfurter seien gar nicht so wie in Zwerenz’ Grotesk-Roman. Er schießt darüber hinaus: "Da zeigt Z., daß er keinen blassen Schimmer von Marx, Engels, Lenin, Adorno und Habermas hat. Da wird deutlich, daß das ganze linke Image gar nicht stimmen kann, sondern er nur so schreibt, weil das nun mal modern ist. An keiner Stelle wird der Beweis angetreten, daß die Erde unbewohnbar ist wie der Mond, vielmehr nur der, daß das Buch ungenießbar ist wie ja wie eben nur Zwerenz."