Das geschah: Kurz vor Urlaubsbeginn – geplant war der Genuß italienischer Strände in Wohnwagen-Camping-Manier – fuhr der erholungsbedürftige Bürger mit seinem Wagen gegen einen Kanaldeckel. Dieser hatte das städtische Straßenniveau um zwölf Zentimeter überragt. Der Wagen schied nach dieser Berührung wegen Achsenbruchs als Urlaubsgefährt für einige Zeit aus. Eine Urlaubsverschiebung lehnte der Arbeitgeber des vorübergehend-Autolosen ab. Also fuhr der Mann mit Frau und Kind nicht im Wagen nach Italien, sondern per Bahn an ein deutsches Binnengewässer. Dort stand, auf einem Ufer-Campingplatz, der Wohnwagen des Kanaldeckelopfers. Der Urlaub ließ sich nicht schlecht an. Nur einmal regnete es, da fuhr die Familie für einen Tag nach Hause. Rückblickend jedoch fanden die Ufer-Urlauber, Italien sei es nicht gewesen. Außer dem Ersatz für Schäden am Auto und Nutzungsausfall verlangte der Bürger von der Kanaldeckelstadt auch Schadensersatz für entgangene Urlaubsfreude. Ersetzt werden in Geld sollte die Differenz an Urlaubserleben, welche sich ergibt im Vergleich zwischen Italien und deutschen Seeufern. Drei Instanzen verhalfen dem Mann zwar zu Autoreparatur und Ersatz des Nutzungsausfalls. Die Urlaubsfreudendifferenz hingegen ließen sie ungesühnt.

Das Oberlandesgericht Hamm, in zweiter Instanz, hatte es dem Italienfreund so erklärt: Ein Vermögensschaden, der als Schadensfolge hätte ersetzt werden müssen, sei durch den Wechsel im Urlaubsort nicht entstanden. Vielmehr sei der Urlaub an deutschen Gestaden sogar noch billiger gekommen. Auch sei der Urlaub durch den Unfall nicht etwa in dem Sinne verhindert worden, daß die Urlaubszeit als "sinnlos vertan" gelten müsse. Der Kläger habe, wie geplant, seinen Urlaub im Wohnwagen bei überwiegend schönem Wetter verbracht. Im bloßen Ortswechsel vom gewünschten Italien zum deutschen Binnensee sei ein "Erholungsschaden" noch nicht zu sehen. Urlaubsverschönend komme hinzu, daß der Wegfall Italiens dem Bürger mehrere Tage Autobahnfahrt erspart habe.

Der Bundesgerichtshof, in letzter Instanz, fügt solcher Hausfrauenlogik juristisch dieses hinzu: Ob "Urlaub als solcher" überhaupt einen Vermögenswert darstelle, könne dahinstehen. Dem Kläger sei der Urlaub durch die Kanaldeckelberührung nämlich weder genommen noch beeinträchtigt worden. Er habe seinen "Urlaub nur anders gestaltet, als er ihn gestaltet haben würde", wenn er dem Kanaldeckel nicht begegnet wäre. Ein Vermögensschaden liege aber nur vor, "wenn der Geschädigte für eine bestimmte Urlaubsgestaltung (schon) Aufwendungen gemacht hat, die sich wegen der Beschädigung seines Fahrzeugs (nunmehr) als nutzlos erweisen, oder wenn die Urlaubsgestaltung, zu der der Geschädigte infolge der Beschädigung seines Kraftwagens genötigt ist, weniger wert war als die, die er geplant und bezahlt hat". Da der Italienverhinderte zum geplanten Betreten des Südens Aufwendungen noch nicht gemacht habe, scheide ein Vermögensschaden von vornherein aus.

Zur Frage, ob der Kläger sogenannten "immateriellen" Schadensersatz wegen Verletzung seines Persönlichkeitsrechts verlangen könne, verweist der Bundesgerichtshof auf die Hammer Vorinstanz. Diese hatte erkannt, daß die möglicherweise erzwungene Veränderung des Urlaubsorts die Persönlichkeit des Bürgers jedenfalls "nicht in schwerwiegender Weise" verletzt habe. Das Wetter am deutschen See sei schließlich schön gewesen. Und: es stehe keinesfalls fest, daß "es in Italien noch besser gewesen wäre".

PS: Für das Urteilsergebnis spricht trotz einiger parodistisch anmutender Begründungssätze auch folgende praktische Erwägung: Der Geschädigte hätte, statt Nutzungsausfall zu beanspruchen, einen Ersatzwagen mieten und damit den Urlaub durchführen können. Entschließt er sich hierzu nicht, so kann er die Urlaubsabweichung nicht dem Schädiger vorwerfen. (BGH III ZR 22/71)