Als "verdammte Lügen" hat der amerikanische Vizepräsident Spiro Agnew auf einer Pressekonferenz die Anschuldigungen bezeichnet, die in der vergangenen Woche gegen ihn erhoben wurden. Die Staatsanwaltschaft in Baltimore (Bundesstaat Maryland) hatte zuvor bekanntgegeben, daß sie bereits seit längerer Zeit gegen Agnew wegen Verdachts auf Bestechung, Erpressung und Steuerbetrug ermittelt.

Dem Vizepräsidenten wird vorgeworfen, als Gouverneur von Maryland von verschiedenen Baufirmen bis zu 1000 Dollar je Woche erhalten zu haben. Außerdem sei ihm, als er bereits Vizepräsident war, nochmals eine Summe von 50 000 Dollar gezahlt worden.

Agnew hat sich inzwischen bereit erklärt, die von der Staatsanwaltschaft angeforderten Unterlagen über sein Einkommen bereitzustellen. Die Dokumente, die bis 1962 zurückreichen, sollen insgesamt 130 Kisten füllen. Präsident Nixon ließ nach einer Unterredung mit seinem Stellvertreter erklären, er habe "Vertrauen" zu Agnew.

Die Ermittlungen gegen Agnew haben die Schwierigkeiten der Nixon-Administration noch vergrößert. Bevor der Senatsausschuß, der die Watergate-Affäre aufhellen soll, in die Sommerpause ging, strengte er entgegen den Erwartungen doch noch eine Klage gegen Präsident Nixon auf Herausgabe der umstrittenen Tonbänder an. Richard Nixon hatte sich bisher unter Berufung auf das Prinzip der Gewaltenteilung und das Privileg der Exekutive geweigert, die Tonbänder zur Verfügung zu stellen.

Unterdessen hat die Steuerbehörde Kaliforniens sich dafür ausgesprochen, ebenfalls die Vermögensteuer zu überprüfen, die für Nixons Feriensitz San clemente gezahlt wird.