ARD, Montag, 13. August: "Zwischen Marx und Rothschild – Walter Hesselbach: Bankier der Gewerkschaften", von Peter Schier-Gribowsky

Das Porträt – endlich wieder einmal eine Wirtschaftssendung im Ersten Programm – hätte ebensogut "Zwischen Ideologie und Kommerz" betitelt werden können. Von den Bankern herkömmlichen Stils ebensowenig als einer der ihren betrachtet wie von den linken Ideologen in der Partei und den Gewerkschaften, ist der "rote Bankier", Berater des Kanzlers wie einmal Robert Pferdmenges zu Adenauers Zeiten sowie Arbeitnehmer-Repräsentant in den Aufsichtsräten führender Konzerne schon ein dankbares Objekt. Daß der BfG-Chef, für den links sein gleichbedeutend mit "anständig" ist, so sympathisch wirkte, dürfte kaum in einer unkritischen Sicht des Autors seinen Grund haben. Der dem Frankfurter Arbeitermilieu entstammende Hesselbach unterscheidet sich fast in allem von der landläufigen Schablone, wie sie etwa von Hermann Josef Abs geprägt wurde. Der, ungewöhnlich faktenreiche und von begrüßenswerte? Sachlichkeit getragene Film hätte vielleicht dennoch den einen oder anderen dunkleren Tupfer vertragen. Warum blieb dem Publikum verborgen, daß die Kontrolle der "Arbeiterbank" BfG durch die Arbeiter selbst praktisch nicht existiert, es sei denn, man betrachtete die im Aufsichtsrat der Bank vertretenen Gewerkschaftsbosse als ausreichende Kontrolleure? Auch ein Hinweis auf die in anderen Banken vergleichbarer Größe kaum anzutreffende Machtzusammenballung in der Person eines Mannes wie übrigens auch ein kurzer Hinweis auf die nicht immer ganz glückliche Beteiligungspolitik Hesselbachs hätten das Bild vielleicht ein wenig glaubhafter erscheinen lassen. Wenn schon die Frage nach der Macht der BfG – warum dann nicht wenigstens ein neugieriger Blick in die Zukunft, die mit der Entstehung von Industriebeteiligungsfonds in Arbeitnehmerhand für Hesselbach eine heute noch gar nicht abzuschätzende Machtfülle bescheren könnte?

Hans-Otto Eglau