Im Gegensatz zu den parteipolitischen Rangeleien, die er sich vorher nur allzuoft leistete, hat der Bundestagsausschuß zur Aufklärung der Steiner-Wienand-Affäre bei seinen letzten Vernehmungen vor der Pause ein hohes Maß an Sachlichkeit und Konzentration bewiesen. Daß solche Tugenden zu Ehren gelangten, hat vor allem mit der Akzentverschiebung beim Untersuchungsthema zu tun: Nicht mehr die angebliche Bestechung durch Wienand stand zuletzt im Vordergrund, sondern Steiners nachrichtendienstliche Tätigkeit für den Osten, die offenbar viel umfangreicher gewesen ist, als es bisher den Anschein hatte.

Freilich nährt sich, dieser Verdacht einstweilen mehr aus dem Wust von Unklarheiten und Widersprüchen, den besonders Steiner selber aufgetürmt hat, als aus Gewißheiten. Während der dreiwöchigen Pause, die der Ausschuß jetzt eingelegt hat, soll der Wald von Ungereimtheiten durchforstet werden, um eine Grundlage für die Gegenüberstellungen von Zeugen zu schaffen, die Anfang September stattfinden werden.

Wenn die Rechercheure aus dem Regierungslager und der Opposition dann weiter der Versuchung widerstehen, sich gegenseitig eines auszuwischen, könnte der Ausschuß der Wahrheit näherkommen. Damit wäre nicht nur der Sache selbst, sondern auch dem ramponierten Ansehen des Untersuchungsgremiums wie des ganzen Parlaments gedient. C.-C. K.