Die britische Regierung bereitet sich offenbar auf den Benzinnotstand vor. Aus einem vertraulichen Memorandum der Gewerkschaft der Postarbeiter an ihre lokalen Sektionschefs wurde jetzt bekannt, daß die Regierung an alle Postämter Benzingutscheine verteilen will. Im Bedarfsfall sollen sie kurzfristig an Autofahrer abgegeben werden.

Regierungssprecher bestätigten zwar den Bericht des Guardian der als erste britische Zeitung den Inhalt des Memorandums verbreitete. Die Rationierung des Benzins indes stehe keineswegs unmittelbar bevor. Die gegenwärtigen Maßnahmen, so die Beamten, seien lediglich Teil einer "routinemäßigen Überprüfung" des Notfallsystems.

Immerhin handelt es sich bei dieser "Routineübung" um die erste dieser Art seit dem Zweiten Weltkrieg. Offenbar waren Empfehlungen der EG-Behörden der Anlaß dazu. Im Mai wurde den Mitgliedsländern nahegelegt, sich strategische Notvorräte für 90 Tage anzulegen – ein Planziel, von dem die Briten noch weit entfernt sind.

Zur Zeit besteht, wie der Guardian weiter zu berichten weiß, keineswegs eine ernste weltweite Rohölknappheit. Selbst die Versorgungsschwierigkeiten in den USA rühren weniger vom Rohstoffmangel her als von unzureichenden. Raffineriekapazitäten.

Nicht alle Kommentatoren nehmen allerdings die Rationierungspläne der britischen Regierung so gelassen zur Kenntnis. William Price, Labour-Parlamentarier, meinte gar: "Es genügt, wenn ein oder zwei arabische Länder Schwierigkeiten machen – und wir stecken in der größten Krise seit Suez." In zwei Jahren, so meinte Mr. Price weiter, werde man das Benzin in Großbritannien ohnehin rationieren müssen.

Regierungssprecher halten dem aber entgegen, Großbritannien sei noch in einer vergleichsweise günstigen Lage. Immerhin stünden umfangreiche Lieferungen aus den Nordseequellen in Aussicht, mit denen man zumindest vorübergehende Knappheiten überbrücken könnte;