Ein Überfluß an Supertankern könnte die Frachtraten drücken", unkte die Financial Times. Der Grund für den skeptischen Blick in die Zukunft: Allein 1972 wurden 79 Tanker mit über 175 000 Tonnen fertiggestellt. Über 400 weitere Supertanker sind bereits geordert.

Vor allem, die Japaner profitieren von diesem Boom in Tankerkapazitäten. So hat allein die Mitsubishi-Werft den Auftrag, 54 Riesentanker zu bauen. Den Japanern stehen überdies neue Kunden ins Haus – Arabiens Ölscheiche. Die arabischen Förderländer Saudi-Arabien, Kuwait, Irak, Bahrein, Quatar, Libyen und Algerien wollen mit ihrem Vorhaben ernst machen, eine eigene Tankerflotte aufzubauen.

Bereits im Mai 1972 gründeten diese Länder eine gemeinsame Reederei (Kapital: 500 Millionen Dollar) mit Sitz in Kuwait. In den nächsten zehn Jahren soll eine Flotte von 50 bis 60 Einheiten entstehen, die voraussichtlich in Japan und Frankreich gebaut wird. Einzelne Regierungen am Persischen Golf leisten sich zudem eigene nationale Tankerflotten. Das gilt vor allem für Kuwait und den Irak. Saudi-Arabien hat dagegen die Aufträge für zwei 260 000-Tonnen-Tanker angeblich annulliert. Das vermutete Motiv für den Rückzieher: die stark schwankenden Tankerfrachtraten.

Auch in den Bau eines Trockendocks wollen die Araber ihren Dollar-Reichtum investieren. Es soll für 100 Millionen Dollar in Bahrein entstehen und soll Tanker bis zu 375 000 Tonnen aufnehmen können. Wichtigster Lieferant: das japanische Unternehmen Kawasaki. Da der Scheich von Dubai seinen Nachbarn das Dock nicht gönnt soll er zusätzlich eine eigene Anlage it Auftrag gegeben haben.

Etwa soviel Geld wie die Araber wollen auch deutsche Reeder in den Ausbau ihrer Tankerflotte insistieren. Sie planen ein Großtankerprogramm für rund 1,2 Milliarden Marc. Bisher ist die Tankerflotte unter deutscher Flagge auch reichlich bescheiden. Wenn die gesamte deutsche Tonnage (einschließlich Shell und Esso) zur Versorgung der Bundesrepublik herangezogen würde, könnte sie gerade ein Drittel des Rohölbedarfs befördern. smi