ARD, Montag, 13. August: "Marty Feldman Comedy Machine"

Bemerkenswert war jedenfalls die Placierung im Programm, im Ersten und um neun Uhr abends. Zwar lieferte die Ansagerin die Sendung ungemein sorgfältig eingewickelt ab wie ein Geschenkpaket – "neue Maßstäbe", "britischer Humor", "in Montreux preisgekrönt" und gleich doppelt –, aber es gibt nun also die "Marty Feldman Comedy Machine", auf deutsch, noch viermal in diesem, viermal im nächsten Jahr: eine Serie voll Unsinn.

Zuerst muß man davon sprechen, wie dieser Engländer aussieht; denn seine Häßlichkeit wird nicht nur von allen tief empfunden, sondern sie ist auch ein wichtiger Bestandteil aller seiner komödiantischen Übungen. Man weiß nie, welches von den zwei himmelblauen Knopfaugen einen ansieht. Die Nase, gebuckelt, ragt weit heraus. Der Mund, dünnlippig, scheint ausdrücklich zur Wiedergabe von Unsinn angelegt. Das schüttere gekräuselte Haupthaar wird von den einen als rot, von den anderen als haselnußbraun beschrieben. Feldman ist ein zierlicher Mensch von sch.chternem Gebaren. Auffallend schön sind seine Hände. Wer sich bei der Beschreibung dieser Erscheinung eines Bildes bedienen will, fühlt sich schnell in die Fauna gedrängt.

Viele wollen wissen, wer dieser Mann sei: eigentlich, in Wirklichkeit. Jedoch die Enthüllung ist langweilig, denn alles entspricht der Vorstellung: Sohn "eines jüdischen Straßenmädchens im Londoner Eastend"; Landstreicher, Hausierer, Trompeter, Varietekünstler, Schauspieler. Marty Feldman ist ein politischer Mensch, seine Sympathie gehört den Linken, und als Waffe führt er bisweilen seine krause Komik ins Feld.

Was macht Marty Feldman? Er reißt Witze. Das sind sekundenschnelle Frage-Antwort-Szenen. Viele seiner Sketches bauen darauf, daß alles anders kommt als gedacht, ein uralter Trick. Man muß Feldman zugestehen, daß seine schnurrigen Ideen oft sehr reizvoll sind; aber man muß hinzufügen, daß sie manchmal mit geradezu dröhnendem Klamauk serviert werden, Spiele eines von Albernheiten besessenen Grobians.

Am besten sind die Karikaturen, wenn sie parodistisch angehaucht sind: der Täter im Fadenkreuz, der von demselben erschlagen wird; der sich zur Künstlerzunft zählende Toilettenmann, der im Theater schwatzt; der Werbespot (mit Orson Welles) für einen "Film, der nichts verschweigt", mit dem Titel "Das Lexikon": "Folgen Sie den Augenblicken der Leidenschaften, wenn zwei Verben konjugiert werden"; der Selbstmörder, dessen neugierige Beobachter die Fortsetzung des Sturzes nur in ganz und gar nicht erwarteten Geräuschen erleben; eine Theateraufführung zur Beschäftigung von Arbeitslosen.

Aber war nicht ausdrücklich britischer Humor angesagt? Es wäre doch gelacht, wenn nichts "dahinter" wäre! Vielleicht haben wir so großen Appetit auf "Sinn" im Unsinn, weil bei uns die Komiker schon lange ausgestorben sind und dann die Komik von den Conférenciers umgebracht worden ist. Sicher ist, daß Marty Feldman Blödsinn betreibt, und das ziemlich grob. Man darf bei ihm nichts anderes wollen als lachen. Ich habe ein paarmal gelacht.

Manfred Sack