Die Verhandlungen zwischen Bonn und Prag über einen Briefwechsel zu humanitären Fragen sind am Freitag voriger Woche bis zum 20. August unterbrochen worden. Staatssekretär Frank vom Auswärtigen Amt gelang es in einem Gespräch mit dem stellvertretenden CSSR-Außenminister Goetz nicht, Westberlin in diesen Briefwechsel einzubeziehen, wonach auch die Westberliner Anspruch auf Teilhabe am konsularischen Rechtshilfeverkehr haben sollen.

Goetz erklärte inzwischen, dieses Verlangen sei "überflüssig und grundsätzlich unmöglich". Prag habe seine Bereitschaft, die Abkommen auf Westberlin auszudehnen, schon anderweitig dokumentiert. Die Tschechoslowakei hatte sich zuvor eine enge Auslegung der "Kann-Vorschrift" des Viermächteabkommens zu eigen gemacht. Bundeskanzler Brandt wollte seinen für den 6. September geplanten Besuch in Prag zur Unterzeichnung des Abkommens verschieben, wenn in der nächsten Gesprächsrunde keine Einigung erzielt würde.

In Bonn verstärkt sich der Verdacht, daß Prag in dieser Frage den "Vorreiter" für die beiden letzten Ostblockstaaten – Ungarn und Bulgarien – gespielt hat, mit denen noch keine diplomatischen Beziehungen bestehen.