Stuttgart

Für Baden-Württembergs Beamte brechen unruhige Zeiten an. Wenn Wirklichkeit wird, was die Stuttgarter Regierung kürzlich bekanntgegeben hat, dann wird unter ein paar Tausend Oberregierungslandwirtschaftsräten, Regierungsvermessungsdirektoren, Oberregierungsschuldirektoren und wie sie alle heißen in den nächsten Jahren das große Möbelpacken beginnen. Denn das Kabinett Filbinger ist wild entschlossen, in dem fast 170 Jahre alten Urwald der rund 800 "Unteren Sonderbehörden" Baden-Württembergs eine Kehrwoche zu veranstalten.

Verschwinden soll jedes dritte dieser Ämter, die mit ihren 110 Neben- und Außenstellen über das Land verstreut sind, die die Bullenhaltung ebenso überwachen wie sie Genehmigungen für Milchsammelstellen ausschreiben, Straßen und Staudämme bauen oder auf Bauernhöfen nach Antibiotika im Futter forschen. In 13 von 18 Fachverwaltungen will die Regierung die Zahl der kleineren Ämter reduzieren, angefangen bei der Liegenschaftsverwaltung über das Eichwesen und die Tierzucht bis hin zur Forstpartie.

Allein die akademischen Förster, die es noch vor sieben Jahren geschafft hatten, den Titel "Forstrat" gegen den altwürttembergischen "Forstmeister" einzutauschen, weil sie Verwechslungen mit dem "Bademeister" fürchteten, sollen 37 ihrer grünen Throne verlieren.

Mit ihrem Großputz verfolgt die Stuttgarter CDU-Regierung mehrere Ziele. Einmal ist es nach der Vergrößerung der Landkreise zu Beginn dieses Jahres nötig geworden, auch die Dienstbezirke der Behörden den neuen Kreisgrenzen anzupassen. Zum anderen erhoffen sich Filbinger und sein Innenminister Schiess von der Ämterkonzentration eine bessere Leistung durch Teamarbeit und Spezialisierung.

An eine billigere Verwaltung mag in Stuttgart allerdings niemand glauben. Man hat sich daran gewöhnt, Jahr für Jahr 42 Prozent des 14-Milliarden-Etats für Beamtengehälter auszuwerfen, und bucht es schon als Erfolg, wenn die Steuereinnahmen mit den Lohnkosten Schritt halten. "Verwaltungsreformen", so meint Innenminister Schiess, "darf man sowieso nicht unter dem Aspekt von Einsparungen sehen. Sie dienen vor allem der Verbesserung der Verwaltung."

Daß Filbingers Marsch durch die Institutionen kein Spaziergang sein wird, läßt sich schon am ersten Echo der Beamten ablesen. Denn immerhin raubt das Reformkonzept den schwäbischen Staatsdienern rund ein Drittel der gut dotierten und begehrten Stellen eines Behördenchefs. Nummer eins in Boxberg, Jestetten oder auf der Kapfenburg zu sein, war noch allemal besser als Regierungsdirektor Nummer drei in Stuttgart, Karlsruhe oder Heilbronn.