Nicolaus Copernicus

Auf den Briefmarken heißt er "Nikolaus Kopernikus", die Polen nennen ihn "Mikolaj Kopernik", die internationale Wissenschaft aber hat sich auf die Schreibweise "Nicolaus Copernicus" geeinigt (der große Astronom selber nahm es damit nicht so genau). Wenigstens der Name ist also den beiden populärwissenschaftlichen Taschenbüchern gemein, die zum 500. Geburtstag des Frauenburger Astronomen – eins in Polen, das andere in der Bundesrepublik – erschienen sind und hier als Beispiel dafür vorgeführt werden sollen, welche Schwierigkeiten es offensichtlich auch heute noch bereitet, sein Leben und Lebenswerk ohne nationale Vorurteile zu betrachten:

Marian Biskup: "Nicolaus Copernicus in öffentlichen Leben Polens" ("Dzialalnosc Publiczna Mikolaja Kopernika"); in: Populärwissenschaftliche Studienreihe Nr. 23 der Wissenschaftlichen Gesellschaft in Torun, Copernicanische Bibliothek, Übersetzungen Nr. 3; Torun 1973; 103 S., 15 zl

Bernhard-Maria Rosenberg: "Nicolaus Copernicus 1473–1543. Domherr, Arzt, Astronom"; in: "Persönlichkeit und Geschichte", Bd. 72; Musterschmidt Verlag, Göttingen 1973; 96 S., 5,80 DM

Der polnische Verfasser, Geschichtsprofessor an der Thorner Universität, zählt zu jenen Wissenschaftlern seines Landes, die seit Jahren mit westdeutschen Copernicus-Forschern zusammenarbeiten; er hat unlängst neue, von Copernicus redigierte Korrespondenzen des Frauenburger Domkapitels entdeckt. Sein deutscher Kollege, Ermländer wie Copernicus, Mitglied der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung in Göttingen, bekennt von sich selbst, er habe schon als Schüler und Student dem im Frauenburger Dom ruhenden Himmelsfoischer "das individuelle Opfer meiner Verehrung" (G. C. Lichtenberg) darbringen können.

Beide haben mit viel Liebe zum Detail den Lebensweg ihres Helden nachzuzeichnen versucht – Biskup freilich beschränkt auf die öffentlichen Aufgaben des Domherrn; beiden ist nachzurühmen, daß sie jene vielfältigen Aufgaben des Gelehrten ins Licht rücken, die im Gedächtnis der Völker durch sein revolutionäres Werk über die Bewegungen der Himmelskörper überschattet werden. Die Astronomie, so könnte man, leicht übertreibend, sagen, war eher seine nächtliche Freizeitbeschäftigung.

Jahrzehnte seines Lebens ist Copernicus juristischer Berater, Leibarzt und Reisebegleiter der Bischöfe von Ermland gewesen; außerdem hat er als Administrator, Visitator, Diplomat mannigfache Verwaltungsgeschäfte, politische Missionen und wirtschaftliche Aufgaben bewältigen müssen. Das Bistum Ermland, seit dem Zweiten Thorner Frieden von 1466 unter der Schutzherrschaft des polnischen Königs, hatte sich, wie zu den Zeiten des Deutschen Ordens auch, weitgehende Autonomie in Gesetzgebung, Verwaltung und Gerichtsbarkeit bewahrt; von den zehn Kammerämtern wurden sieben vom Bischof selber, drei (Frauenburg, Mehlsack, Allenstein) vom Domkapitel verwaltet, dem Copernicus angehörte. Mehrmals war Copernicus Kanzler, während einer längeren Bischofsvakanz sogar Generaladministrator, und schließlich wurde er, wenn auch nur aus formalen Gründen, als einer der Kandidaten für das Bischofsamt vorgeschlagen.