Zwei Börsenwochen mit relativ stabiler Tendenz haben ausgereicht, um die Überzeugung wachsen zu lassen, daß nunmehr auch der deutsche Aktienmarkt "das Schlimmste hinter sich hat". Die Aktienkurse "atmen" wieder; die Börse ist keine Einbahnstraße mehr. Noch bestimmen jedoch die Profis die Tendenz. Und hier sind es insbesondere die Investment-Fonds, deren Aktionen kursbildend wirken: Mit dem leichteren Geldmarkt hat zwar auch der Berufshandel einen Teil seiner Bewegungsfreiheit zurückgewonnen; doch hat er vorerst nur einen kurzen Atem. Schließlich müssen sich die Banken auf einen harten Monatsultimo, auf einen großen Steuertermin und auf eine weiter steigende Kreditnachfrage einrichten.

Die neuerdings wieder Morgenluft witternden zahlreichen Börseninformationsdienste haben es noch nicht geschafft, ihre breite Leserschaft für den Aktienerwerb zu begeistern. Das merkte man deutlich am Montag dieser Woche, als der Berufshandel gezwungen war, seine am Wochenende vorher aufgebauten Bestände zu weichenden Notierungen wieder abzustoßen. Das Publikum blieb aus und die Fonds hielten ihre Taschen vernünftigerweise zu.

Ähnlich wie die Fonds verhalten sich die wenigen Privatanleger. Ihnen ist an "billiger Ware" gelegen und nicht so sehr an raschen Kurssteigerungen. Nach Lage der Dinge spricht vieles für höhere Aktienkurse bis zum Jahresende, aber nichts für eine himmelstürmende Hausse.

K. W.