Jetzt buddeln die Enkel der Goldgräber: Die Dollarkrise schafft den zweiten Goldrausch

Von Wolf von Lojewski

Cripple Creek/Colorado, im August

Geld", sagt Bürgermeister Robinson, "Geld ist nur Papier." Er läßt seinen Besucher auch nicht lange raten, was in einer Welt der wirren Währungskurse das einzig Sichere und Wahre ist: Gold! Und er zeigt mit seiner Zigarre auf den Boden: "Hier ist es, wir sitzen drauf."

Nicht nur in Cripple Creek in Colorado, das einst Amerikas größtes Goldcamp war, auch in Alaska, Kalifornien, Montana, in Nevada und den Schwarzen Hügeln Süddakotas weht wieder der Geist der Abenteurer und der Pioniere übers Land: Männer jagen nach Gold. In South Pass City, Wyoming, wo man 1969 rund 40 Hektar Land unter Naturschutz stellte, um die Ruinen verlassener Goldgräbersiedlungen der Nachwelt zu erhalten, stromern jetzt an jedem Wochenende abenteuerliche Gestalten durch die Gegend und stecken neue Claims ab. Oft streiten sich die Schatzsucher, wer wo zuerst war und einen Pfahl mit seinem Namen in den Boden rammte. Wer auch die Prügelei gewinnt, das Land gehört dem Staat, und der hat keine Neigung, hier nach Gold zu graben.

Lieber Gold als Geld

Amerikas Regierung hat seit langem ein reserviertes Verhältnis zu dem kostbaren Metall. Seit 1933 ist es Amerikanern verboten, unverarbeitetes Gold zu besitzen. Seit 1961 droht ihnen Gefängnisstrafe bis zu zehn Jahren auch dann, wenn man sie überführt, in ausländischen Bankdepots Goldbarren zu verwahren. Die Gründe, die 1933 zu einem Verkaufszwang des privaten Goldes an den Staat herangezogen wurden, gleichen zum Teil der Situation von heute. Amerikaner hatten das Vertrauen ins Papiergeld verloren, plünderten ihre Sparguthaben, um Geld in Gold zu tauschen. Durch Gold-Prohibition will man seitdem den Dollar schützen. Dennoch: 4000 Tonnen – so schätzt man – wurden trotz der hohen Strafandrohung von US-Bürgern entweder zu Hause oder in europäischen Banksafes heimlich gehortet.