Der Schauspieler, der weiß, welche Gage er wert ist, der Übersetzer, der einen Pauschalvertrag abschließt, der Schriftsteller, der mit dem Funk das Honorar für ein noch ungeschriebenes Hörspiel aushandelt – sie alle setzen von vornherein fest, was der Preis ihrer Leistung sein soll. Er mag niedrig sein und ihnen als pures Diktat der Gegenseite vorkommen: Jedenfalls verhindert das Prinzip, den Wert einer geistig-künstlerischen Leistung in Mark und Pfennig zu beziffern, diese Leistung nicht

Sobald der Autor aber Bücher schreibt, tritt dieses Prinzip außer Kraft. Jetzt nimmt er an einer Lotterie teil, vor sich – als Wurst quasi, wie Martin Walser sagte – lebenslänglich die meist vergebliche Hoffnung auf einen Bestseller, in sich die Erfahrung, daß sich die Schriftstellerei eher nicht bezahlt macht.

Natürlich ist das System der prozentualen Honorierung, so fest eingewurzelt und unabänderlich es erscheint, alles andere als "gerecht". Nicht nur, daß sich die Dauer der aufgewendeten Arbeitszeit keineswegs in den Honoraren niederschlägt, auch Qualität und Ertrag bringt es in kein Verhältnis zueinander. Man kann noch nicht einmal sagen, daß ein Buch um so weniger einbringe, je "besser" es sei; das Gegenteil kann eintreten. Auch das Markt-Plebiszit stellt sich für den Autor heute völlig verfälscht dar. Der Erfolg, den es honoriert, hängt weitgehend überhaupt nicht mehr von ihm selber und seinem Werk ab, sondern von der Verkaufsstrategie, der er anheimfällt (wenngleich diese sich nicht ganz unabhängig machen kann von dem Werk).

Es ist kein Zufall, daß solche profanen Fragen in der Zeit der gemachten Bestseller sich besonders insistent stellen. Daß der eine Autor für seine dubiosen Schwarten von vornherein mit einer Startauflage von hunderttausend rechnen kann, der andere ebenso unweigerlich bei seinen dreitausend Paperbacks bleibt – das ist eben, in Geld ausgedrückt, ein Verhältnis von eins zu hundert und eine sehr krasse Ungerechtigkeit.

Das Unbefriedigende dieser Lage heizte eine Diskussion an, die soeben im "Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel" ausgetragen wurde, ausgelöst von einem neuen Buch des Mainzer Soziologen Helmut Schoeck, "Die Lust am schlechten Gewissen", in dem er den (wenigen) Großverdienern unter den linken Autoren vorhält, der Bezug von Honoraren auch über den eigenen Arbeitsaufwand und sogar über den eigenen Tod hinaus sei nicht zu vereinbaren mit ihrem sozialistischen Ideengut. (Daß sich Sozialismus und Ausbau der Urheberrechte schlecht vertragen, hatte allerdings schon Böll auf dem Stuttgarter Schriftstellertag eingeräumt.)

Eine Provokation: wie wird sie aufgenommen? Es jubelt der "rechte" Journalist Rudolf Krämer-Badoni, dem sich das Althergebrachte als das Unverbesserbare darstellt: "Seit Jahren polemisiere ich gegen die Ernennung des Buchverlegers zum Kapitalisten, da der Verleger bekanntlich nur reich wird, wenn und nachdem seine Autoren reich werden..."

Der "linke" Jurist Götz von Olenhusen, Theoretiker der Raubdrucke, gewinnt der widersprüchlichen Wirklichkeit genau den entgegengesetzten Schluß ab: "Die Käufer der Verwertungsrechte beuten andere aus, den Autor inbegriffen; der Autor trägt infolge des Tantiemesystems zudem das Absatzrisiko."