Unter dem Titel "Ein gefährliches Treiben" veröffentlichte das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" einen Kommentar zum "Mißbrauch der Transitwege". Darin heißt es:

"Es sind Kräfte am Werk, das Transitabkommen zu unterminieren, und zwar vom Boden der BRD und Westberlins aus, deren Bürger von dem Abkommen den unmittelbaren Nutzen haben.

In letzter Zeit ist das Transitabkommen, das durch die DDR-Behörden nach Geist und Buchstaben angewandt wird, in zunehmendem Maße von Geschäftemachern mißbraucht worden. Von der BRD und von Westberlin aus sind Verbrecherbanden am Werk, die gegen Kopfgelder von 40 000 bis 80 000 Westmark, unter Mißbrauch der Transitwege, Leute über die Grenze schleusen – Leute, die sich ein luxuriöses Leben in der BRD oder in Westberlin erhoffen bzw. Wissenschaftler, Ärzte sowie weitere Spezialisten, denen man sogar von amtlichen Stellen ein solches Leben verspricht.

Damit wird das Transitabkommen auf das gröbste verletzt...

Solche Konsequenzen einer geduldeten oder gar geförderten Bandentätigkeit gegen das Völkerrecht und gegen die gesetzliche Ordnung der DDR sind natürlich den Verantwortlichen in der BRD und in Westberlin nicht entgangen. Seit einiger Zeit ist in der Öffentlichkeit der BRD und Westberlins eine lebhafte Diskussion entbrannt, ob es wirklich klug ist, die gegen die DDR und gegen das Transitabkommen gerichtete Tätigkeit der Menschenhändler-Organisationen weiter zu dulden oder gar zu fördern. Die Erfüllung von Verträgen kann jedoch kein Diskussionsgegenstand sein. Verträge müssen eingehalten werden. Es sollte Klarheit darüber bestehen, daß die fortdauernde und in jüngster Zeit zunehmende Verletzung des Transitabkommens nicht nur Folgen für die Organisatoren solcher Gesetzesverletzungen nach sich ziehen wird. Die DDR wird zu gegebenem Zeitpunkt ihrerseits alles tun, um den Mißbrauch der Transitwege zu verhindern.

Es würde der Sache dienen, wenn die Regierung der BRD und der Senat von Westberlin die erforderlichen Maßnahmen treffen würden, um jegliche Tätigkeit, die vom Boden der BRD und Westberlins aus das Transitabkommen verletzt, wirksam zu unterbinden.

Es muß erwartet werden, daß sowohl die Regierung der BRD als auch der Senat von Westberlin ihrer Verantwortung gerecht werden und den vertraglichen Verpflichtungen entsprechend handeln, die sie eingegangen sind. Die DDR hat bewiesen, daß sie das Transitabkommen nach Geist und Buchstaben, ja mit Großzügigkeit erfüllt. Sie möchte das auch weiterhin tun, wobei sie selbstverständlich ihre souveränen Rechte und legitimen Interessen wahren wird."