Juan Peron (77), Argentiniens Ex-Diktator, und seine dritte Frau Isabel (42), haben am Wochenende die einstimmig beschlossene Kandidatur der Justizialistischen Partei (Peronisten) für die Präsidentschaftswahlen am 23. September angenommen. Die Entscheidung fiel nach einer Woche Bedenkzeit, die sich Peron ausgebeten hatte. Der peronistische Präsident Hector Cámpora war am 13. Juli zurückgetreten, weil er die untereinander verfeindeten Flügel der peronistischen Bewegung nicht auf ein gemeinsames Programm einigen konnte.

Die Zusage Perons hat in Buenos Aires aus mehreren Gründen überrascht. Gerüchte über seinen angegriffenen Gesundheitszustand zirkulierten schon lange; in der vorigen Woche sollen zwei Ärzte ihm offen geraten haben, das Amt nicht zu übernehmen. Wie es heißt, leidet er an Kreislaufschwäche und altersbedingten Konzentrationsstörungen.

Desto aufmerksamer wurde die Wahl des Kandidaten für den Vizepräsidenten beobachtet. Viele gemäßigte Politiker hatten gehofft, Peron werde dieses Amt dem Führer der (bürgerlichen) Radikalen, Ricardo Baibin, antragen. Nach Aussagen einzelner Radikaler des rechten Flügels war die Partei nicht abgeneigt, dieses Angebot zu akzeptieren; eine abschließende Beratung hatte freilich noch nicht stattgefunden.

Baibin und Senator Fernando de la Rua werden jetzt für die Radikalen gegen das Ehepaar Peron antreten; Francisco Manrique für die Volksallianz und Juan Carlos Coral für die Sozialistische Arbeiterpartei. Eine ernstzunehmende Chance haben sie alle nicht, sie könnten bestenfalls verhindern, daß die Perons schon im ersten Wahlgang die erforderlichen 50 Prozent erreichen, ihnen damit aber eine empfindliche Prestige-Einbuße zufügen.

Der Nominierung von Isabel Peron, die bewußt als zweite "Evita" aufgebaut wird, sind heftige interne Diskussionen voraufgegangen. Dem linken (sozialistischen und zum Teil terroristischen) Flügel der Partei hatte Peron schon vor zwei Wochen eine Absage erteilt; die Gesetze gegen Terror und politische Entführungen wurden inzwischen verschärft. Im Kampf der Mitte und des nationalistischen rechten Flügels konnte sich kein Kandidat durchsetzen. Isabel als engste Vertraute der einzigen Integrationsfigur in der peronistischen Bewegung machte das Rennen als Verlegenheitssieger.

Die internen Schwierigkeiten zeigen sich auch in der Wirtschaftspolitik, die im vergangenen Monat spürbare Erfolge erzielte. Peron und Campora hatten ausländischen Firmen günstige Bedingungen für Investitionen in Argentinien zugesagt; das Wirtschaftsprogramm der Peronisten ist dagegen scharf ausländerfeindlich. In die Schußlinie sind vor allem die multinationalen Konzerne geraten. Das Parlament legte sich sofort mit den Vereinigten Staaten an: Auf eine Note des nordamerikanischen Geschäftsträgers Krebs, der das Gesetz über das Auslandskapital kritisierte, antworteten die Abgeordneten mit dem Vorschlag, Krebs zur "unerwünschten Person" zu erklären.