Kürzlich wurde in Wetzlar das letzte Endspiel im Feldhandball auf Bundesligaebene zwischen dem TV Großwallstadt und dem SVH Kassel ausgetragen. Damit verschwindet diese Sportart von der großen Bühne.

"Ein deutsches Spiel wird olympischer Sport" – eine hintergründige Überschrift aus dem Olympiaalbum des Jahres 1936. Wen verwundert es, daß die deutsche Mannschaft im Endspiel vor 100 000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion gegen Österreich die Goldmedaille gewann. – Fast ausschließlich wurden die Weltmeisterschaften in dieser Sportart von deutschen Mannschaften gewonnen. Entweder stammten sie aus der Bundesrepublik oder der DDR, oder spielten "gesamtdeutsch", wie im Jahr 1959.

"Handball ist ein deutsches Spiel." Auch dieser Satz stammt aus dem Olympiaalbum von 1936. – Der Feldhandball, eines der jüngsten Mannschaftsspiele, ist in seinen Grundzügen allerdings um die Jahrhundertwende in der Tschechoslowakei sowie in Dänemark und Schweden entstanden. Der Berliner Max Heiser entwickelte diesen Sport 1915 als Frauenspiel ohne Kampf um den Ball und ohne Laufen mit dem Ball weiter. Carl Schelenz ist die im wesentlichen noch heute gültige Gestalt des Feldhandball: zu verdanken. Der Kampf um den Ball als auch das Laufen mit dem Ball wurden erlaubt. Neben einer solchen Entwicklung ist vor allem die methodische Durchdringung des Feldhandballspieles mit dem Namen dieses Mannes verbunden.

Der Feldhandballsport verlor jedoch auf Grund des attraktiveren Hallenhandballspieles stark an Bedeutung. Die nord- und Osteuropaischen Staaten trugen dieser Entwicklung Rechnung, so daß die Weltmeisterschaften 1963 und 1966 nur noch mit Mühe veranstaltet werden konnten; 1968 mußte die Bundesrepublik als Ausrichter die Weltmeisterschaft im Feldhandball zurückgeben, weil nicht genügend Meldungen vorlagen.

Dem Rückzug beinahe aller zur internationalen Spitze zählenden Handballnationen vom Großfeld, dazu die Abkehr der großen westdeutschen Vereine vom "grünen Rasen": dieser Entwicklung konnte sich der "Deutsche Handball Bund" (DHB) nicht verschließen. Im Oktober 1972 wurde eine Neuordnung des Spielbetriebes im Feldhandball beschlossen. "Der Feldhandball ist tot", riefen die Verbandsoberen mutig wie vordergründig. "Es lebe der Feldhandball", lautete prompt das Echo. Der "Deutschen eigenes Spiel" wurde nach Ablauf der Spielzeit 1973 lediglich in die Regionalverbände zurückgeführt. Dort darf nun eifrig weitergemauschelt werden, denn auch 1974 soll ein Meister gekürt werden, der aus den regionalen Spitzenmannschaften ermittelt werden soll. Zurück zur Natur!

Die Bedeutungslosigkeit des Feldhandballs als Spitzensport ignorierend werden in der Bundesrepublik Erkenntnisse mit Füßen getreten, die seit Jahren in osteuropäischen Ländern wie der UdSSR, Rumänien, Ungarn oder Jugoslawien gesammelt werden: im Winter wird Handball in der Halle, im Sommer auf dem Kleinfeld als Vorbereitung auf die Hallensaison, gespielt. – Nach den Vorstellungen des Deutschen Handballbundes scheint man überhaupt nicht an einer "Kleinfeld-Spielzeit" im Sommer interessiert. Und solange maßgebende Personen wie zum Beispiel der Bundestrainer Professor Käsler – zweifellos einer der bekanntesten deutschen Feldhandballspieler – im Kleinfeldhandball keine Alternative zum Großfeldhandball sehen, wird diese Sportart in Westdeutschland weitervegetieren, unsere Hallenhandball-Nationalmannschaft aber in der Entwicklung hinter den tonangebenden osteuropäischen Nationen zurückbleiben und in Mittelmäßigkeit verharren.

Eberhardt Wuttke