August Rucker, von 1954 bis 1957 bayerischer Kultusminister, fiel aus allen Wolken: Erst nach Wochen erfuhr er, daß der Münchner Bauunternehmer Georg Hubmann ohne sein Wissen in seinem Namen über die Firmen der Wetterstein-Gruppe zur Abwehr umlaufender Gerüchte eine Pressenotiz herausgegeben hatte.

Der 61jährige Hubmann ist der unumschränkte Herrscher dieser Gruppe, die sich vor allem auf den Bau von Altenwohnheimen in Form geschlossener Immobilienfonds konzentriert hat. Der emeritierte TU-Professor Rucker ist Vorsitzender des Vereins "Altenhilfe durch Privatinitiative gemeinnütziger Verein auf Bundesebene", der mit der Wetterstein-Gruppe aufs engste verschwistert ist.

Ruckers Funktionen sind allerdings nur begrenzt. Das Schwergewicht liegt beim Beiratsvorsitzenden des Vereins: Hubmann. Rucker fürchtet nun um sein Ansehen und erwägt den Rücktritt als Vorsitzer des Altenvereins. Er will nicht länger für Hubmann "Galionsfigur" sein.

Hubmanns unübersichtlicher Firmenverbund war vor einem Monat ins Gerede gekommen, als bekannt wurde, daß für im Bau befindliche Altenwohnheime in Bad Lippspringe und Nürnberg zwar Hypothekendarlehen über rund 60 Millionen Mark zugesagt waren, die Zwischenfinanzierung des größten Teils davon Hubmann aber unüberwindliche Schwierigkeiten bereite. Die Bayerische Landesbank, um Hilfe gebeten, konnte sich nicht zu einem Eingreifen entschließen. Der gelernte Maurer Hubmann, mit dem technischen Ehrendoktor der Universität Rio de Janeiro versehen, versuchte daraufhin politische Kontakte zur CSU zu mobilisieren. Schließlich soll der massige Mann mit der derben Sprache sogar Telegramme an die Bundesminister Schmidt, Friderichs und Katharina Focke sowie an den Bundesbankpräsidenten Klasen geschickt haben – ohne Ergebnis.

Neugierigen Journalisten gegenüber verlegte sich Hubmann zunächst auf Dementis und verwies in der unter Ruckers Namen verschickten Pressenotiz auf ein Auftragsvolumen seiner Unternehmen von 350 Millionen Mark. Nähere Angaben wer dieses Volumen finanziert, ersparte sich Hubmann.

Als dann erste Berichte über die Liquiditätsklemme in der Presse erschienen, protestiere er gegen "Rufmord". Er pocht auf sein soziales Engagement: "Ich muß für 20 000 alte Leute sorgen." Wieviel Kapital diese angeblich 20 000, zu denen Hubmann nach dem Zeugnis Ruckers auch seine 800 bis 1000 Angestellten und Bauarbeiter rechnet, in Wetterstein-Fonds eingezahlt haben, ist nicht bekannt. Es sind vermutlich mehr als 100 Millionen Mark. In den bisher fertiggestellten sieben Wetterstein-Heimen, davon drei in München, dürften tatsächlich nicht mehr als 3000 Personen wohnen. Die eingezahlten Gelder und Anwartschaften (Wohnrechte) der anderen Kapitalanleger sind wohl ebenfalls dinglich abgesichert, aber nicht an bevorzugter Rangstelle.

Um eine Auffangkonstruktion, die den Konkurs bei Wetterstein abwenden soll, wird noch gerungen. Auch die zahlreichen Bankiers, die in den letzten Wochen mit dem Schicksal der Wetterstein-Gruppe befaßt wären, machen sich Gedanken über die alten Leute, die sich bei Senioren-Vater Hubmann eingekauft haben, Wenn sie vor Schaden geschützt werden sollen, muß Hubmann wohl auch auf harte Bedingungen möglicher neuer Geldgeber eingehen.