Wenn die Aktionäre der Albingia Versicherungs AG, Hamburg, am 22. August zu ihrer Hauptversammlung zusammentreten, brauchen sie sich über das Geschäftsjahr 1973 kaum noch Sorgen zu machen. Die Dividende von vierzehn Prozent, die sie für 1972 erhalten sollen, ist für 1973 bereits verdient – und zwar weitgehend durch ein erfolgreiches Wertpapiergeschäft. Die Albingia-Gruppe hat nämlich 15 Prozent des Grundkapitals der KKB Kundenkreditbank KG a. A., Düsseldorf, an die C. G. Trinkaus + Burkhardt Vermögensverwaltung verkauft. Da diese Transaktion zu einem "fairen Preis im Rahmen der Börsenbewertung" abgewickelt worden ist, wie sich Graf Finckenstein, persönlich haftender Gesellschafter beim Bankhaus Trinkaus + Burkhardt, ausgedrückt, und der Börsenkurs zum Zeitpunkt des Besitzwechsels noch bei etwa 500 Mark für die 50-Mark-Aktie lag, hat die Albingia-Gruppe für die 15prozentige Beteiligung einen Erlös von rund 50 Millionen Mark erzielt, von dem ein Teil mit Hilfe des Paragraphen 6b steuerfrei investiert worden ist.

Die Albingia, die mit der KKB im Versicherungsbereich eng kooperiert und wohl auch weiterhin eng zusammenarbeiten wird, hat in den letzten Jahren ein Paket an KKB-Aktien von rund 20 Prozent des jetzt 40,32 Millionen Mark betragenden KKB-Kapitals zusammengekauft. In Börsenkreisen wußte man von dieser Beteiligung; schließlich ist die Albingia durch ihre Vorstandsvorsitzenden im KKB-Aufsichtsrat vertreten. Aber die Größe des Pakets, das zu sehr viel niedrigen Kursen als 500 Mark gesammelt worden ist, war bislang geheim geblieben. Durch den Teilverkauf des Pakets ist ein Buchgewinn entstanden, der für das Jahr 1973 erheblich zu Buche schlagen wird. Ob er dazu benutzt wird, die Dividende zu erhöhen, ist eine taktische Frage. Das kommt darauf an, wie die versicherungspolitische Landschaft im nächsten Jahr aussehen wird. Schließlich wird dann wieder das Ringen um Prämienerhöhungen einsetzen. Höhere Dividende und das Werben um Verständnis für höhere Prämien passen schlecht zusammen.

Man darf aber wohl grundsätzlich davon ausgehen, daß das Dividendenziel höher liegt als 14 Prozent. Angepeilt dürfte eine Ausschüttung von 16 Prozent werden, wie sie vor Ausschüttung von Berichtigungsaktien (5:1) im Jahre 1969 üblich war. Schließlich ist auch der englische Großaktionär (Guardian Assurance Company Ltd., London, mit fast 84 Prozent des Albingia-Kapitals von 28 Millionen) an guten Ausschüttungen interessiert. Die berechtigte Aussicht darauf ließ ihn auch der jetzt vorgeschlagenen Kapitalerhöhung um 10,5 auf 38,5 Millionen Mark (voll eingezahlt) zum Ausgabekurs von 200 Prozent zustimmen. 1971 war das Kapital sogar zum Ausgabekurs von 300 Prozent aufgestockt worden. Solche bei Versicherungsunternehmen stolzen Sätze lassen auf eine gesunde Kapitalstruktur der Gesellschaft schließen.

Nach Bekanntwerden der KKB-Transaktion ist der Kurs für die Albingia-Aktie (50 Mark) um etwa 10 Prozent auf 440 Mark gestiegen.

K.W.