Gelingt es, die initiativreiche und flexible private Direktinvestition mit der politischen Lenkung und Kontrolle der Entwicklungsziele in Übereinstimmung zu bringen, dann ist von unserer Seite ein großer Schritt voran getan. Entwicklungshilfe und ihre Auswirkungen sind aber immer auch abhängig von der politischen und sozialen Struktur der Entwicklungsländer. Einige Geberländer haben in jüngster Zeit erfahren müssen, daß selbst entwicklungspolitisch gut abgesicherte Projekte durch einige nichtdemokratische Regierungen in Entwicklungsländern unwirksam gemacht und somit auch unsere entwicklungspolitischen Motive und Ziele durch solche Regierungen desavouiert werden.

Um es kraß zu sagen: mit Diktatoren kann man keine Entwicklungshilfe treiben. Tun wir es dennoch, weil die Bevölkerung in jenen Entwicklungsländern so hilfsbedürftig sei, dann machen wir unsere entwicklungspolitischen Motive und Ziele unglaubwürdig. Dies wirkt vor allem auf unsere Innenpolitik zurück und schwächt unsere Anstrengungen, die demokratische Gesellschaft weiter zu entwickeln.

Gewiß, wir können nicht generell nur solchen Ländern Entwicklungshilfe anbieten, deren innenpolitischer und sozialer Zustand unserem eigenen entspricht. Wir dürfen uns nicht anmaßen, für diese Länder definitive Entscheidungen zu treffen, die ihren Interessen zuwiderlaufen könnten. Diese Interessen abzuschätzen ist schwer, da sich die Entwicklungsländer auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen bei jeweils anderen historischen, geographischen, klimatischen, kulturellen Voraussetzungen befinden, alle diese Länder aber mit den entwickelten Industrieländern im Jahr 1973 Mitglieder der einen Weltgesellschaft sind.

Solche Ungleichzeitigkeit der Entwicklung in der Gleichzeitigkeit der Aufgabenbewältigung kann nur durch Koordination zwischen entwickelten Ländern und der Dritten Welt überbrückt werden. Das setzt aber voraus, daß sich Entwicklungsländer mit annähernd gleichen oder ähnlichen Voraussetzungen .. zusammenschließen, um als gleichgewichtige Partner der Industrieländer auftreten zu können.

Ein Musterbeispiel für einen solchen Zusammenschluß ist der Andenpakt, den Chile, Bolivien, Peru, Ekuador, Kolumbien und Venezuela geschlossen haben. Diese Staaten haben gemeinsam Entwicklungsprogramme festgelegt und sich dadurch aus eigener Kraft in die Lage versetzt, den wirtschaftlich mächtigsten Privatinvestoren in der Dritten Welt, den multinationalen Konzernen, auf gleicher Ebene entgegenzutreten. Ihre Programme zur Steuerung und Kontrolle von Auslandsinvestitionen können von den multinationalen Konzernen nicht umgangen werden.

Für die Investoren hat dieses System bei aller Einschränkung ihres Entscheidungsspielraums den großen Vorteil, genau zu wissen, welches die Bedingungen für ihren wirtschaftlichen Einsatz sind. Sie werden damit auch von der latenten Drohung befreit, durch tagespolitische Ereignisse in jenen Ländern zur plötzlichen Umorientierung gezwungen zu werden.

Es ist deshalb sinnvoll, die Entwicklungsländer danach zu unterscheiden, ob sie allein oder in multinationalen Zusammenschlüssen bereits selbständig Entwicklungsprogramme aufgestellt haben. Dadurch erst wird eine effektive Koordination von Entwicklungszielen und Entwicklungshilfe zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern hergestellt. Entwicklungspolitik muß demzufolge mehr und mehr darauf ausgerichtet sein, in der Koordination verbindliche Ziele auszuweisen, an die sich dann auch beide Seiten halten. So läßt sich wahrscheinlich am ehesten der nationale Egoismus auf beiden Seiten abbauen.