Diesmal hat sich Israel vor aller Welt ins Unrecht gesetzt. Dayans Kaper-Coup gegen die irakische Passagiermaschine, mit dem der palästinensische Terrorchef Habasch gefangen werden sollte, war ein Anschlag auf das internationale Recht, Er wäre selbst dann nicht zu billigen gewesen, wenn jener "Erzmörder" Habasch – so Dayan – in dem Flugzeug gesessen hätte. Verbrecher jagt man nicht, indem man deren kriminelle Methoden kopiert.

Auch die Ermordung des Marokkaners Bouchiki, angeblich ein "Schwarzer-September"-Mann, durch ein israelisches Gegenterrorkommando in der norwegischen Kleinstadt Lillehammer gehört zu diesem unrühmlichen Kapitel. Oder will Israel von nun an die Gesetze des Dschungels von seinen Gegnern übernehmen? Es stünde alsbald am Pranger selbst seiner Freunde. Für sie heiligt der Zweck nicht jedes Mittel, jedenfalls nicht den Bruch des Gesetzes.

Terror, mit dem arabische Freischärler schon viel Blut Unschuldiger vergossen haben, zuletzt wieder in Athen, ist verabscheuungswürdig. Und arabische Politiker, die nach dem Beiruter Anschlag behaupten, Israel werde von Terroristen regiert, sind Heuchler. Aber wenn Dayan wie ein Sheriff nach Wildwestmanier sicherheitshalber zuerst schießt, droht er jede Politik unglaubwürdig zu machen, die Frieden will und Aussöhnung – eine Politik, die auf die Unterstützung von Partnern angewiesen bleibt. D. St.