Der Weltsicherheitsrat wird Israel verurteilen. Gegen Sanktionen aber werden die Vereinigten Staaten vermutlich ihr Veto einlegen. Das war, in der Auseinandersetzung vor dem UN-Forum um den jüngsten Zwischenfall in Nahost, der Stand vom Mittwoch.

Nach dem Handstreich der Israelis gegen ein irakisches Zivilflugzeug über Beirat hatte der Libanon eine Sondersitzung des Sicherheitsrates verlangt und mit Ägypten und dem Irak Sanktionen gegen Israel gefordert.

Die Entführung der irakischen Chartermaschine durch israelische Phantom-Jäger bedeutet eine Eskalation im Kampf von Terror und Gegenterror. Nach dem Scheitern militärischer wie politischer Lösungen des Nahostkonflikts hatten radikale arabische "Befreiungsorganisationen" mit diesem Untergrundkrieg begonnen, der auch im Ausland geführt wird. Israel schlug zurück, wie der Vorfall vom Wochenende zeigt, sogar mit Flugzeugentführungen.

Der Vorfall ereignete sich Freitagabend. Kurz nach dem Start vom Beiruter Flughafen zwangen zwei israelische Kampfmaschinen das Zivilflugzeug zum Abdrehen vom Kurs Richtung Bagdad und zur Landung auf einen nordisraelischen Militärflugplatz. Nach einer zweistündigen Kontrolle der 74 Passagiere, unter ihnen der irakische Planungsminister Jawad Haschem, konnte die Maschine nach Beirut zurückfliegen.

Auch Verteidigungsminister Dayan, der die Verantwortung für die Kaperung der Boeing übernahm, mußte zugeben, daß die Aktion ein Fehlschlag war. Ihr Ziel war die Festnahme von George Habasch gewesen, dem Führer der Terrororganisation "Volksfront für die Befreiung Palästinas". Habasch, der für diesen Flug gebucht, ihn nach einer Herzattacke aber gestrichen hatte, ist der eigentliche "Vater" der Flugzeugentführungen. Auf das Konto seiner Gruppe gehen zahlreiche Anschläge auf Zivilmaschinen mit fast hundert Toten.

Israels Geheimdienst hatte die Festnahme des "Erzmörders" (Dayan) vorbereitet. Nach dem mißlungenen Unternehmen wird in arabischen Hauptstädten mit spektakulären Vergeltungsschlägen extremer Palästinenser-Kommandos gerechnet.

Die von Israels Ministerpräsidentin Golda Meir gebilligte Entführung wurde von den führenden Staaten des Westens, darunter Amerika, sogleich einmütig verurteilt.