Die Umstände haben es gewollt, daß die Absicht der französischen Autorin Françoise Sagan, nach Irland überzusiedeln, in ihrem Heimatlande stark beachtet wurde. Welche Umstände?

Ein Boulevardblatt hatte behauptet, mit der Trinkfestigkeit der Sagan sei es auch nicht mehr weit her; sie lebe praktisch im Delirium tremens.

Es handelt sich hier offenbar um ein schlimmes Wort, das geeignet, ist, einen Menschen in die Flucht zu schlagen. Wie könnte die Sagan, der man Zimperlichkeit wirklich nicht nachsagen kann, sonst solche Umstände machen? Sie will das Gut verkaufen, das sie in der Normandie besitzt. Sie will mit Sack und Pack von dannen ziehen.

Die Beliebtheit, die ihre Romane und Bühnenstücke, aber auch ihre vernünftigen Ansichten, die sie hin und wieder geäußert hat, beim großen Publikum genießen, hat es fertiggebracht, daß manch einer, dem lateinische Ausdrücke sonst gleichgültig sind, sich genauer zu informieren suchte über den schrecklichen Zustand des Delirium tremens. So erfuhr er dann, daß es sich um eine "Délire", um Geistesgestörtheit, verbunden mit "Trem-Element des membres", mit Giederzittern, handele: "particulier aux alcooliques", typisch für Alkoholiker.

Na, da waren wir denn alle sehr gespannt, als bekannt wurde, Françoise Sagan werde im Fernsehen erscheinen. Und zwar war ein durchaus vertrauenswürdiger Mitarbeiter der Television zu ihr hingestürzt, hätte sie in liebenswürdiger Weise überfallen, worauf er auch liebenswürdig empfangen worden war. Da war nichts kaschiert, nichts gestellt. Das Interview vor der Kamera hatte keinen doppelten Boden.

Und um es geradeheraus zu sagen: Kein Gliederzittern! Nicht das geringste Tremblement! Auch konnte von Geistesgestörtheit keine Rede sein. Höchstens von "Geistesstörung" insoweit, als ihr Geist mal wieder etwas störend wirkte.

Sie neigt im allgemeinen zu Übertreibungen, die allseits beliebte Françoise Sagan. Als sie, jung und schon so erfolgreich, die Freuden – des Gesellschaftslebens entdeckte; bemerkte sie ziemlich spät, daß es ein, hartes Leben ist, leichtfüßig von Party zu Party zu eilen. Als sie hohe Summen verdiente, gab. sie höhere aus, ehe sie lernte, Ein- und Ausgaben in der Waage zu halten. Als sie sich für Sportwagen begeisterte, fuhr sie zu schnell; aber während sie gewöhnt war, daß Rücksicht genommen wurde, hatten diesmal einige Umstehende kein Verständnis, Bäume nämlich, und die Sagan kam ins Krankenhaus. Sportwagen sind eine schöne Sache – so sagten sich die Leute. Aber der "Calva" im Calvados, wo ihr Gut liegt, ist es auch. Sollte sie auch hier übertrieben haben?