Die internationale Politik in den frühen sechziger Jahren zeigte bereits viele der Züge, die sich zu Beginn der siebziger Jahre durchsetzen sollten – getrennt durch einen Zeitraum von acht Jahren, in dem die Geschichte "einen seltsamen Umweg" nahm, den Richard Löwenthal vor anderthalb Jahren in der ZEIT ausführlich beschrieben hat. Die Studie von

Walther Stützle: "Kennedy und Adenauer in der Berlin-Krise 1961–1962"; in: Schriftenreihe der Friedrich-Ebert-Stiftung, Band 96; Verlag Neue Gesellschaft, Bonn-Bad Godesberg 1973; 253 Seiten, 32,– DM

besitzt daher den Reiz des unmittelbar Aktuellen. Wie sich zeigt, ist der Abstand eines Jahrzehnts groß genug, um nach sorgfältiger Auswertung zeitgenössischer Zeitungen und nach Informationsgesprächen mit Beteiligten und Beobachtern in verschiedenen westlichen Hauptstädten einen Überblick über die damaligen Geschehnisse zu gewinnen, der im großen und ganzen späterer historischer Nachprüfung standhalten wird, mag die weitere Forschung auch eine Reihe von Punkten korrigieren.

Insgesamt scheint mir, daß Stützle Kennedy zu unkritisch, Adenauer zu kritisch, auch vielleicht etwas simpel gesehen hat – aber schließlich wollte er nicht die ganze Politik beider Männer und schon gar nicht die Wandlungen in der internationalen Konstellation jener Jahre beschreiben, sondern nur jenen Ausschnitt, der mit dem komplizierten Gegen- und Miteinander des amerikanischen Präsidenten und des deutschen Bundeskanzlers angesichts der Berlinkrise zu tun hat. Das ist ihm, finde ich, gelungen. Gilbert Ziebura hat dem Band als Vorwort eine Einführung, Zusammenfassung und Rezension beigegeben, welche die Verdienste der Untersuchung herausstellt, zugleich aber auch deren Grenzen behutsam andeutet. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Arnulf Baring