Von Günter Haaf

Seit der technischen Zivilisation die Kraft auszugehen droht, glauben kühle Technokraten wieder an Himmel und Hölle.

Vom Himmel herab soll die schier unendliche Strahlungsenergie der Sonne dereinst den Bedarf an Elektrizität decken, der aus den endlichen Vorräten an fossilen Brennstoffen wie Kohle und Öl nicht mehr befriedigt werden kann. Und aus der Hölle des heißen Erdinneren heraus wollen Geologen und Ingenieure Wärmekraft für zukünftige Generationen schöpfen.

So wie der beständige Energiestrom von unserem Muttergestirn irgendwann mit riesigen Sonnenzellenpaddeln im Weltraum eingefangen und zum Raumschiff Erde gesendet werden soll, so soll auch die urtümliche Kraft aus dem Bauch der Erde jetzt nutzbar gemacht werden.

Dabei ist die Gewalt in der Tiefe schon immer augenfällig gewesen – sei es, daß sie Heilquellen sprudeln, Fumarolen (irdische Dampfaushauchungen) fauchen oder Vulkane speien ließ. Bislang aber produzierten Energieexperten eher bedrucktes Papier über die Erdwärme als mit ihr elektrischen Strom. Das scheint sich nun zu ändern.

Angetrieben von lokalen Energie-Engpässen, unterstützt von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und bestärkt durch bessere technische Möglichkeiten, verhelfen Geologen und Ingenieure in allen Kontinenten der Erdwärme (auch Geothermik genannt) jetzt zu neuem Ansehen: Aus der "Mißgeburt der Natur" (so der UN-Experte Joseph Barnea) wird ein "schlafender Riese" (wie der Senator des US-Bundesstaates Nevada, Alan Bible, im Juli formulierte), der nach Meinung der angesehenen amerikanischen Wirtschaftszeitung Wall Street Journal schon bald einen "neuen Goldrausch" auslösen kann, zumal die Erdkraft "wonniglich sauber" sein soll, falls der Jubelschrei des populärwissenschaftlichen US-Magazins Popular Science zutrifft.

Schon heute zapfen gut ein Dutzend Länder der Erde den Hitzehort in ihrem Untergrund an – die Supermächte USA und Sowjetunion ebenso wie die Randstaaten Island und Neuseeland, die Industrienationen Italien und Japan ebenso wie die Entwicklungsländer Mexiko und die Philippinen. Animiert von Eldorado-Expertisen, daß