"Vingt Poèmes en Prose – Zwanzig Gedichte in Prosa", von Charles Baudelaire. Eine neue Reihe, ein neues zweifarbiges Gewand so präsentiert sich "dtv zweisprachig", nachgebildet der Edition Langewiesche-Brandt, Noch liegt kein vollständiges Programm vor, man darf auch hoffen, daß es eines Tages nicht nur bei Nachdrucken bleibt, aber der Anfang ist gelungen und die Wahl von Baudelaires Gedichten in Prosa ausgesprochen glücklich. Denn diese Seite Baudelaire, seine "prose poétique, musicale sans rythme et sans rime", lohnt die Wiederentdeckung und ist übrigens auch im Original leicht lesbar – ein gedankenreiches, zartes und schmales Spätwerk voller Überreife und rêverie. Doch sollte man künftig auch beim Nachdrucken wenigstens ein paar Unschönheiten und Fehler der Übersetzung (von Ulrich Friedrich Müller) beseitigen. Zwei Beispiele. Wozu die Fehlbeziehung "durch einen Fußtritt in den Rücken, der stark genug war" (wer?), wenn im Französischen so schön und kurz "assez energique pour" steht, stark genug um? Und warum muß "Au nom du bon sens" mit "Im Namen des gesunden Hausverstandes" übersetzt werden? Solche Kleinigkeiten stören auch dann, wenn die Reihe mit klassischen und modernen Texten, Dokumenten und Beispielen der Alltagssprache "Lernhilfe" bieten will – was übrigens die dtv-Lücke zum Wissenschaftsprogramm schließen würde, (dtv 9083, Deutscher Taschenbuchverlag, München; 96 S., 3,80 DM.)

Martin Gregor-Dellin