Neu in Museen und Galerien:

Hannover Bis zum 30. September, Kestner-Gesellschaft: "George Rickey"

In den Räumen der Kestner-Gesellschaft geht es in diesen Wochen kühl und luftig zu: Große und kleine Ventilatoren und Propeller bringen die zartgliedrigen Aluminium-Plastiken George Rickeys in Bewegung, sorgen für ein stetiges Hin und Her, Auf und Ab, Vor und Zurück der einzelnen Bauelemente, aus denen diese Gebilde so scheinbar spielerisch und so tatsächlich wohlkalkuliert zusammengesetzt sind. George Rickey, Jahrgang 1907, ein Amerikaner, der in den letzten Jahren viel in Deutschland gelebt und gearbeitet hat, gilt als Kinetiker, und das hat, vom Wortsinn her, auch seine Richtigkeit so, denn Rickeys Kunst entsteht aus den Variationen des Spiels mit den Gesetzen der Schwerkraft. Nur: mit dem Gros jener anderen Künstler, die man Kinetiker nennt, verbindet George Rickey so wenig, daß die Bezeichnung für ihn nicht mehr passen will.

Was Rickey von fast allen Kinetikern unterscheidet: Er arbeitet nicht mit elektrischem Strom, er verzichtet auf nach Belieben abrufbare und dosierbare Kraft, ohne die Schoeffers Spiegeltürme nicht glitzern, Tinguelys Schrott in seinen rostigen Ketten nicht tanzen würde. Rickey ist Techniker nur, solange er in der vorbereitenden Konstruktionszeichnung und der Montage seiner Arbeiten den Gesetzen Rechnung trägt, nach denen seine Plastiken ins Schwingen, Pendeln, Kreisen, Vibrieren geraten. Seine Arbeit im Büro des "Air Corps" während des Krieges war da eine gute Vorbereitung für den späteren Beruf. Im übrigen aber kommt George Rickey von John Calder, dem Schöpfer des Mobiles: Er arbeitet mit dem, was er den "Zufall als Regulativ oder Produkt der Bewegung" nennt. Zufall: das ist die Bewegung der Luft, die in geschlossenen Räumen künstlich hergestellt werden muß, wobei die Gesetzmäßigkeit der Bewegungsabläufe durch präzise Repetition betont wird.

Ihre ganze poetische Kraft entfalten diese Metallgebilde freilich erst im Freien. Wenn auf der großen Terrasse der Kestner-Gesellschaft der Sommerwind die metallenen Dreiecke und Vierecke, Linien und Kreissegmente mal kräftiger und mal sanfter in Schwingung versetzt, wenn man dieses Widerspiel und Zusammenspiel von direkten Naturkräften und nach ihren Gesetzen konstruierten Gebilden sieht, dann weiß man, was George Rickey von cleveren Technikern und schnurrigen Bastlern unterscheidet.

Petra Kipphoff

Wichtige Ausstellungen: