Sax Gösch, 58, Berufseinbrecher und Aushilfskellner, wurde am 13. Juli morgens in seiner Zelle in der Strafvollzugsanstalt II in Hamburg-Fuhlsbüttel tot zwischen Toilette und Waschbecken aufgefunden. Er noch nach Schnaps, eine leere Flasche soll da gelegen haben, und Tabletten hatte er auch geschluckt.

Der Vollzugsleiter sagte: "Er gehörte noch zur alten Garde, besaß ein großes Ehrgefühl, hielt immer Wort, und sein positiver Einfluß in unserer Anstalt war unverkennbar; für seine Mithäftlinge war er der Beichtvater, er setzte sich mit Eifer für Reformen ein, er sorgte nach Unruhen für einen Ausgleich der Gruppeninteressen, und er konnte von der Ganovensprache sofort auf gepflegtes Deutsch umschalten, das ganze Haus trauert um ihn ..."

Als Sax Gösch noch Kellner in der "Piratendiele" gewesen war, sagte er: "Ohne Tabletten geht es manchmal nicht", und spülte sie mit Schnaps runter, "wer so lange einbrechen gegangen ist wie ich, der hat es mit dem Magen. Das ist eine Berufskrankheit. Und Einbrechen ist ein Handwerk. Es gibt eben Menschen, die zu ganz bestimmten Zeitpunkten Rechtsbrüche begehen, sich aber sonst ganz sozial verhalten ..."

Er kam dann noch mal und sagte: "Ungefähr dreißig Jahre habe ich abgesessen, im Waisenhaus bin ich aufgewachsen, mit fünfzehn kam ich dann wegen eines Einbruchs in eine Erziehungsanstalt, und dann ging es immer so weiter... Im Knast lernte ich Englisch und Französisch, aber hauptsächlich richtiges Deutsch. Hans nennen. mich alle, ‚Sax’, was soll das denn, schon im Waisenhaus fragten sie mich: ‚Sax’, was heißt das eigentlich? Das wußte ich doch auch nicht. Wenn ich einmal wieder eingesperrt werden sollte, dann schicken Sie mir vielleicht ein paar Bücher, die Sie übrig haben. Ein Thema interessiert mich besonders: Der humane Strafvollzug und in Verbindung damit das Thema Abbau der Aggressionen. Ich kaufe mir bald eine Schreibmaschine und fange an, die beiden Themen sind ja im Grunde genommen ein Thema."

Ich habe ihn dann nicht mehr gesehen. Er schrieb mir aus dem Gefängnis. Und ich schickte ihm ein paar Bücher. Sax Gösch war zu zehn Jahren Gefängnis und Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Er hatte zusammen mit drei Komplicen eine Bank überfallen. Die anderen entkamen im Auto, er ging wie verabredet zu Fuß, aber ein Fensterputzer folgte ihm. Sax Gösch trug eine entsicherte Pistole in der Hosentasche. Aber er schoß nicht. Sax schießt nicht und ‚singt‘ nicht. Das wußte auch die Kripo. Sie nahm ihn dann mit. Seine Komplicen gaben das erbeutete Geld aus, und letzten Weihnachten, als kein Geld kam, hätte er fast ‚gesungen‘, aber er schaffte es einfach nicht.

Paul H., sein bester Freund, hält Selbstmord nicht für ausgeschlossen und sagte: "Wer solche Strecke vor sich hat wie Hans, der türmt auch, er hatte ja überall Freunde, aber das Alter und sein Magen und der Schnaps, und hätte er den ganzen Knast abgesessen, was wäre danach draußen noch für ihn drin gewesen...?"

Der Vollzugsleiter hatte ja auch noch gesagt: "Sax Gösch wirkte zuletzt müde und irgendwie abgeklärt, er hielt mehr Abstand zu seinen Mithäftlingen als früher, und für uns alle hatte er nur noch ein mitleidiges Lächeln übrig."