Ohne Subventionen muß die größte US-Eisenbahngesellschaft liquidiert werden

Seit drei Jahren bemühen sich die Konkursverwalter, die Verlustquellen der Penn Central zu stopfen. Doch bis jetzt widersetzten sich die Gewerkschaften und die Regierung erfolgreich allen Sanierungsvorschlägen für die größte amerikanische Eisenbahngesellschaft. Die Gewerkschaften verhindern durch Streikdrohungen, daß überflüssiges Personal in anderen Bereichen des Unternehmens eingesetzt werden kann. Zum Beispiel werden die Güterzüge der Penn Central von vier Mann begleitet, obwohl zwei Mann völlig ausreichen würden; doch die Gewerkschaft will auf die "Bremser" nicht verzichten. Ebenso widersetzen sich die Personalvertreter gegen die Abschaffung eines Paragraphen, demzufolge Lokführer einen Tageslohn verdient haben, sobald sie einen Zug über 100 Meilen gefahren haben. Diese Distanz wird heute allerdings bereits in zwei Stunden zurückgelegt.

Die Regierung verhindert die Sanierung, weil unrentable Strecken nur nach einem komplizierten Anhörungsverfahren stillgelegt werden dürfen. Von den 20 000 Meilen des Penn-Central-Netzes will die Gesellschaft 8000 Meilen aufgeben. Doch nur auf 300 Meilen durfte der Betrieb bis jetzt eingestellt werden. Zudem will die Regierung nicht auf ein historisches Privileg verzichten: Sie beansprucht für die Beförderung staatseigener Güter besonders niedrige Spezialtarife.

Doch jetzt haben die Treuhänder der Penn Central die Lust verloren. Bis zum 1. Oktober muß sich die US-Regierung entscheiden, in welcher Form sie der Penn Central helfen will. Bleiben Staatsgelder aus, soll das traditionsreiche Unternehmen liquidiert werden. Die Treuhänder wollen dann, so die englische Wirtschaftszeitung Financial Times‚ Penn Central Stück für Stück verkaufen.

In der Tat könnten mit dem Verkauf der Aktiva im Werte von rund 3,6 Milliarden Dollar die Schulden gedeckt werden – sie liegen bei rund 2,7 Milliarden. Penn Central hat außer den 20 000 Meilen Eisenbahnstrecken mit Bahnhöfen und Rangieranlagen noch 350 Lokomotiven und 165 000 Güterwagen zu bieten. Weitaus wertvoller jedoch ist das Penn-Central-Vermögen, das mit dem Eisenbahnbetrieb nichts zu tun hat. So besitzt die Eisenbahngesellschaft wertvolle Grundstücke mitten in der City von New York, auf denen Bürohochhäuser und Hotels errichtet wurden. Allein der Grundstücksbesitz wird auf eine Milliarde Dollar geschätzt.

Indes die Aussichten stehen nicht schlecht, daß sich die Regierung bis zum Oktobertermin bereit erklärt, an der Sanierung mitzuarbeiten. So genehmigte vor wenigen Wochen das Verkehrsministerium 85 Millionen Dollar als Kassenhilfe für Penn Central und fünf andere illiquide Eisenbahnunternehmen.

Der Betrag reicht nicht als gesunde finanzielle Basis für Penn Central. Die Treuhänder der Penn Central beziffern die Sanierungskosten allein für die nächsten drei Jahre auf 600 bis 800 Millionen Dollar. Diese Summe sei notwendig, um den Betrieb so weit reorganisieren zu können, daß wieder Gewinn erwirtschaftet werden kann. Für die Anschlußfinanzierung rechnet die Penn-Central-Verwaltung dann wieder mit Kapital privater Anleger.