Die Rücknahmepreise der Anteile der großen, vorwiegend in deutschen Aktien investierenden Publikumsfonds marschierten im 1. Halbjahr 1973 ungefähr im Gleichschritt in den Keller. Ihr Minus lag in den ersten sechs Monaten dieses Jahres zwischen 10 und 12 Prozent. Die Fonds sind mehr oder weniger Gefangene des deutschen Aktienmarktes; sie müssen sich zwangsläufig auf die großen Standardwerte stützen und können nur sehr begrenzt "originelle" Ideen verwirklichen.

Auffällig ist, daß die meisten Fonds eine nicht zu übersehende Abneigung gegen VW-Aktien hatten. Einige Fonds bauten hier ihre Bestände ab. In den Fonds der DWS, auf die die Deutsche Bank einen maßgeblichen Anteil ausübt, sind VW-Aktien überhaupt nicht enthalten, wohl aber Daimler-Aktien mit einem Kurswert von 41,4 Millionen Mark (30. Juni 1973). Die Aussichten des Volkswagenwerks sind trotz gelegentlicher optimistischer Töne aus Wolfsburg alles andere als rosig. Was nicht heißen soll, daß VW-Aktien für alle Zeiten aus den Fonds-Portefeuilles verdammt sein werden. Es kommt immer auf den Preis an. Und in der vergangenen Woche fanden einige Großanleger VW-Aktien plötzlich "interessant". Dabei zeigte sich, daß größere Posten VW-Aktien zu den gegenwärtigen Kursen kaum mehr erhältlich sind.

Der DWS-Fonds Investa nahm im 1. Halbjahr 1973 wieder AEG-Aktien in sein Portefeuille auf. Heute weiß man, daß dies zu früh geschah. Inzwischen waren sie zu Kursen erhältlich, die mindestens um 20 Prozent unter den Einstandspreisen von Investa lagen. Aber wer will Tiefstkurse voraussagen? Wahrscheinlich hat Investa zu den niedrigeren Kursen weitergekauft und so das Gesamtengagement in AEG-Aktien verbilligt. Interessant ist, daß die Fonds-Manager sich überhaupt wieder um AEG-Aktien kümmern.

Investa hat den Anteil der Versorgungswerte durch Verkauf von RWE-Aktien abgebaut. Etwas aufgestockt wurde der Bestand an Vorzugsaktien der Nordwestdeutschen Kraftwerke. Es fällt auf, daß im Investa HEW-Aktien überhaupt nicht enthalten sind. Wenn sich so namhafte Fonds gegen ein Papier entschieden haben, dann ist das für ein ständig auf Kapitalsuche befindliches Unternehmen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Abneigung gegenüber der HEW-Aktie hat sicherlich nichts mit der Qualität des Papiers, sondern mit dem rigorosen Verhalten des HEW-Großaktionärs zu tun.

Im Bereich der Spezialwerte des Investa-Fonds fällt das Neuengagement in Haake-Beck-Aktien auf. Ihr Kurs erreichte in diesen Tagen mit 1040 Mark einen neuen Höchststand. 1937 Stück, wie sie in der Zwischenbilanz von Investa aufgeführt sind, ist sicherlich ein unbedeutender Posten. Er zeigt aber doch, daß die Fonds-Manager Brauerei-Aktien keineswegs als uninteressant abgeschreiben haben. Haake-Beck in Bremen ist noch konzernfrei, was sie für potentielle Aufkäufer um so interessanter macht. K. W.