Die Diskussion um die kommerzielle Fluchthilfe aus der DDR dauert an. Der CDU-Vorsitzende Kohl nannte es am Wochenende "unverantwortlich", daß die Debatte von Seiten der Bundesrepublik durch ein Regierungsmitglied – Staatssekretär Graben vom Bundeskanzleramt – begonnen worden sei. Zwar sei es unerfreulich, wenn Geschäftemacher die Notlage einzelner ausnutzen; aber solange es Mauer und Schießbefehl gebe, bleibe dies für viele der einzige Ausweg.

Die SED hat in einem Kommentar des Neuen Deutschland (siehe Dokumente der ZEIT) vor einem Mißbrauch der Transitwege gewarnt und Bonn aufgefordert, das Verkehrsabkommen zu erfüllen. Die Drohung mit notfalls einseitigen Maßnahmen wurde von allen DDR-Zeitungen aufgegriffen, die ihre Leitartikel zum 12. Jahrestag des Berliner Mauerbaus mit dem Hinweis verbanden, die Duldung solcher Fluchthilfe unterhöhle den Grundvertrag und gefährde damit die Entspannung in Europa.

Die Bundesregierung hat es abgelehnt, auf den Artikel des Neuen Deutschland zu antworten. Die Beratungen des Kabinetts über eventuell zu treffende Maßnahmen sollen nicht in die Öffentlichkeit getragen werden.