Von Dietrich Bächler

Der Assistenzprofessor, einst das Lieblingskind der Hochschulreformer, ist zum Stiefkind geworden. Halbwüchsig zwischen Assistent und Professor will ihn niemand haben, die Professoren nicht und die wissenschaftlichen Mitarbeiter nicht mehr. Er ist zwischen die Fronten des Paritätenstreits geraten. Und wo der teutonische Paritätenstreit beginnt, hat die Vernunft zu schweigen.

Dabei hatte alles so vernünftig begonnen in jener kurzen liberalen Blütezeit der Bundesassistentenkonferenz (BAK) Ende der sechziger Jahre. Die Assistenten, einst Professorenlehrlinge, die ihre Gesellenprüfung, die Habilitation, nur dann ablegen durften, wenn sie das Wohlwollen ihrer Meister verdient hatten, nutzten die antiautoritäre Welle zur eigenen Emanzipation. Ihre damaligen Vertreter hatten genügend Format, nicht bei gewerkschaftlichen Forderungen nach mehr Gehalt und größerer Sicherheit stehenzubleiben. Sie entwarfen ein neues, liberalisiertes Modell der Personalstruktur an den Hochschulen, das sich weitgehend am Vorbild amerikanischer Hochschulen orientierte.

Die Assistentenschaft, in der völlig heterogene Gruppen vereint sind – Doktoranden, unselbständige wissenschaftliche Mitarbeiter auf Zeit und angehende Hochschullehrer – wird nach diesem BAK-Modell aufgelöst und den tatsächlichen Funktionen entsprechend neu geordnet. Der Doktorand erhält die Möglichkeit, sich mit Hilfe eines Stipendiums auf die Promotion zu konzentrieren. Der unselbständige wissenschaftliche Mitarbeiter wird in entsprechende Dauerstellen ohne selbständige Lehrfunktion überführt. Promovierte Wissenschaftler aber, die das Berufsziel des Hochschullehrers anstreben, können sich um Assistenzprofessorenstellen bewerben, auf sechs Jahre befristete Positionen, in denen ihnen als selbständigen "Juniorpartnern" der Professoren die Chance gegeben wird, sich in Lehre und Forschung zum Professor zu qualifizieren. Ob sie dieses Ziel erreicht haben, soll nicht ein Habilitationsvater, sondern der Berufungsausschuß der Universität entscheiden, bei der sie sich um eine Professur bewerben.

Die Professur schließlich wird nach den Vorstellungen der BAK zur einheitlichen Stellung des Hochschullehrers, die die hierarchische Pyramide vom unterprivilegierten Universitätsdozenten bis zum privilegierten Ordinarius ersetzt.

Erstaunlich an diesem Vorschlag eines Verbandes war die Verbindung von Freiheit und Risiko, die für die eigenen Mitglieder gefordert wurde. Der Assistenzprofessor bezahlt seine Unabhängigkeit mit dem Risiko des Scheiterns. Wird er in sechs Jahren nicht auf eine Berufungsliste gesetzt, ist er öffentlich disqualifiziert und muß sich nach einem neuen Berufsziel umsehen. Ein solches Wagnis selbstverantworteter Freiheit verdient Unterstützung in einer Zeit, in der nur noch Freiheit ohne Risiko geschätzt wird.

In der Tat wurde das Personalmodell der BÄK von Bund und Ländern weitgehend akzeptiert. Es tauchte im ersten Entwurf eines Hochschulrahmengesetzes des Bundes auf, liegt dem neuen Vorentwurf eines solchen Gesetzes zugrunde und ist sogar – wenn auch ein wenig verdünnt – im Gesetzentwurf des Bundesrates zur Neuordnung des Beamten- und Besoldungsrechts im Hochschulbereich enthalten, auf den sich die Länder geeinigt hatten. Aber da die Änderung des Beamten- und Besoldungsrechts dem Bundesgesetzgeber vorbehalten und dieser noch nicht über Entwürfe hinausgelangt ist, konnte das Modell bisher allenfalls bruchstückhaft in einzelnen Ländern realisiert werden.