Im ganzen gesehen ging die Entwicklung jedoch andere, bequemere Wege. Risiko und Leistung als Pendant der Freiheit waren dabei wenig gefragt.

Die Assistentenschaft, die die Reformer auflösen wollten, blieb erhalten, eine merkwürdige Mischung, die vom qualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchs über den beamteten Doktoranden bis zum Liebhaber studentischen Lebens reicht, der die "Burschenherrlichkeit" mit Regierungsratsgehalt fortsetzt. Freiheiten, die dem qualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchs, dem Assistenzprofessor also, vorbehalten bleiben sollten, nehmen sie allesamt in Anspruch. Das Recht zu eigener, unkontrollierter "wissenschaftlicher" Arbeit beispielsweise, die sich bei näherem Hinsehen zuweilen als lukrativer Nebenerwerb, als gänzlich unwissenschaftliches Hobby oder als politische Funktionärsarbeit entpuppt. Solche Freiheiten füllen bis zur Hälfte der Arbeitszeit aus. Der Stundenlohn, den der Staat für die restliche Hälfte bezahlt, ist fürstlich. "Repressive" Professoren, die zur Arbeit anhalten, sind selten geworden.

Das Dasein eines wissenschaftlichen Assistenten ist begrenzt. Aber die Chancen, wissenschaftliche Freiheit ohne wissenschaftliche Anstrengung auf Lebenszeit zu genießen, wurden in den letzten Jahren an den Hochschulen laufend vermehrt. Insbesondere in den Geisteswissenschaften wuchsen die Stellen für nichthabilitierte Lehrkräfte, mit denen auf "billige" Weise der rechte Proporz zwischen Lehrern und Studenten hergestellt werden sollte, und mit ihnen wucherte das Mittelmaß, die Gesinnungstüchtigkeit, die Hoffnung, über günstige Paritäten und marxistischen Jargon in Professorenstellen zu gelangen, am besten kraft Gesetzes dorthin übergeleitet zu werden.

Das niedersächsische Vorschaltgesetz gar erklärte alle diese akademischen Räte, Studienräte usw. in Bausch und Bogen zu Hochschullehrern mit den gleichen hochschulpolitischen Rechten, die den Professoren zustehen. Von den gleichen Rechten bei gleicher Qualifikation, die das Personalmodell der BAK vorgesehen hatte, waren nur noch gleiche Rechte geblieben.

Ein Festhalten an überholten Personalstrukturen ist sicher nicht das rechte Heilmittel gegen solche Nivellierungstendenzen nach unten. In seiner Grundstruktur scheint mir das Reformmodell der BAK noch immer vernünftig. Aber es funktioniert nur dann, wenn die Auswahlmechanismen intakt sind. Entscheidend ist die Zusammensetzung des Gremiums, das über die Auswahl unter den Bewerbern um eine Assistenzprofessoren- oder Professorenstelle entscheidet. Wirkt die Gruppe, der der Erstbewerber selbst angehört, hierbei entscheidend mit, ist dem niveausenkenden Versorgungsdenken Tür und Tor geöffnet.

Der Wissenschaftssenator von Berlin weiß davon ein Lied zu singen. Dort gibt es bereits Assistenzprofessoren. Wenn es um die Besetzung von Professorenstellen geht, brauchen die Professoren ihre Stimmen, um zu einer Mehrheitsentscheidung zu kommen. Natürlich häufen sich die Listen, auf denen Berliner Assistenzprofessoren vor auswärtigen Bewerbern mit besserer Qualifikation stehen. Schließlich sind Assistenzprofessoren keine Masochisten. Senator Stein hat mittlerweile seine Amtskollegen in den anderen Ländern zum gemeinsamen Kampf gegen Hausberufungen aufgerufen. Eine Änderung der Paritäten bei Berufungsentscheidungen wäre wohl einfacher.

Das Bundesverfassungsgericht hat hierzu durchaus den richtigen Weg gewiesen, wenn es bei wissenschaftsrelevanten Entscheidungen, insbesondere bei Berufungen, eine Mehrheit der Hochschullehrer fordert und diese Gruppe durch eine gemeinsame, besondere Qualifikation abgegrenzt wissen will. Hält man an der traditionellen Qualifikation des Hochschullehrers, der Habilitation, nicht mehr fest, bleibt als neues Qualifikationsmerkmal des "Einheitsprofessors" nur das erfolgreich durchlaufene Berufungsverfahren. Gerade dies aber hat der Assistenzprofessor noch vor sich.