Es ist naiv, anzunehmen, im Dokumentarfilm könne man Wirklichkeit wiedergeben. Es gibt kaum eine Form der Kommunikation, die sich besser manipulieren läßt als der sogenannte Dokumentarfilm.

Eberhard Fechner (Fernsehautor und Regisseur, bekannt unter anderem durch die Filme "Nachrede auf Klara Heydebreck" und "Klassenphoto") in dem neuesten Heft der "Akzente", das dem Thema "Fernsehen und Literatur" gewidmet ist.

Sinjawskij im Westen

Im vorigen Herbst hatte er das Ausreisevisum beantragt, im Juni erhalten, vergangene Woche traf er mit Frau und achtjährigem Sohn in Paris ein: der russische Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Andrej Sinjawskij, zusammen mit Julij Danielj 1966 wegen Verunglimpfung der Sowjetunion ins Arbeitslager gesteckt, 1971 vorzeitig entlassen und seitdem in der UdSSR isoliert und arbeitslos. Sinjawskij will sich in Paris niederlassen, eine Anstellung an der Sorbonne soll ihm zugesagt worden sein. Vorerst hat Sinjawskij sich zurückgezogen, öffentliche Erklärungen will er nicht abgeben, politische Betätigungen unterlassen.

Zhores Medvedev ausgebürgert

Wiederum hat sich die Sowjetunion eines kritischen Intellektuellen entledigt: Der seit sieben Monaten in London arbeitende Biologe und Gerontologe Zhores Medvedev wurde vergangene Woche per Brief in die sowjetische Botschaft geladen, angeblich um seinen Antrag auf Teilnahme an wissenschaftlichen Kongressen außerhalb Großbritanniens zu erörtern; man fragte ihn, ob er seinen Paß bei sich habe, er verneinte und wurde gebeten, wiederzukommen und seinen Paß mitzubringen. Als er mit dem Paß erschien, teilte man ihm mit, daß der Oberste Sowjet seine Staatsbürgerschaft Mitte Juli gelöscht und die Einziehung seines Auslandspasses angeordnet habe. Medvedev in einer Presseerklärung zu seiner Ausbürgerung: "Aufs heftigste bestreite ich, ich hätte dem Korrespondenten des ‚Daily Telegraph‘ erklärt, "Lieber in Großbritannien als in einem sowjetischen Gefängnis‘. Sicher ist es in England besser als in einem sowjetischen Gefängnis, aber ich bin nicht aus Furcht vor Rechtskomplikationen hergekommen, sondern um neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu sammeln... Hätte ich die Folgen vorausgesehen, hätte ich die UdSSR niemals verlassen." Er will nun seine Wiedereinbürgerung betreiben.

Türkische Verleger verurteilt