Mit Überraschung, aber auch mit Skepsis ist die Ankündigung des Athener Militärregimes aufgenommen worden, daß Griechenland zur Demokratie zurückkehren solle. Nach seiner Vereidigung als erster Präsident des Landes hatte Oberst a. D. Georgios Papadopoulos mitgeteilt, er habe beschlossen, Parlamentswahlen "erheblich vor Ende 1974" auszuschreiben und bereits in diesem Jahr Parteien zuzulassen.

Papadopoulos verkündete außerdem eine Generalamnestie für politische Straftaten, die in Griechenland seit dem Militärputsch vom 21. April 1967 begangen worden sind. Unter diese Amnestie fallen auch der Papadopoulos-Attentäter Panagoulis und die 69 Beteiligten an dem Putschversuch der Marine vom Mai dieses Jahres. Nicht eingeschlossen sind jedoch Disziplinarvergehen von Militärs und Beamten, die mit politischen Straftaten zusammenhängen. Etwa 300 Personen werden aus den Gefängnissen entlassen.

Aufgehoben wurde auch der Belagerungszustand, der noch in Athen und Piräus bestand. Künftig soll weder ein Grieche mehr ohne Haftbefehl ins Gefängnis kommen noch Hausdurchsuchungen ohne richterliche Verfügung vorgenommen werden dürfen. Zivilisten sollen nicht mehr durch Militärgerichte abgeurteilt werden.

Für die nächste Zeit ist außerdem die Neubildung der Regierung vorgesehen. Papadopoulos wird die Ämter des Ministerpräsidenten, des Außen- und Verteidigungsministers neben dem Präsident tenamt beibehalten.

Die meisten Militärs in der bisherigen "Revolutionsregierung" sind aufgefordert worden, vor der Kabinettsumbildung ihre Ämter zur Verfügung zu stellen. Dies wird als Versuch Pattakos’ gewertet, ein Übergewicht der Militärs künftig zu vermeiden. Daß er sich auf die Armee verlassen kann, geht schon aus der Tatsache hervor, daß General Odysseus Angelis den Oberbefehl über die Streitkräfte aufgeben konnte, um das Amt des Vizepräsidenten zu übernehmen.