Von Arnulf Baring

Der Verfasser gehört zu einer Generation, für die die deutsche Einheit noch eine Realität ihrer Jugend war, die deutsche Spaltung ein immer noch schmerzliches historisches Faktum ist und daher die Bewahrung einer wie immer gearteten, heute nur in einem transnationalen Rahmen vorstellbaren Zusammengehörigkeit des deutschen Volkes ein politischer Wert bleiben wird." Diese bekenntnishaften Sätze auf den ersten Seiten des Buches

Heinrich End: "Zweimal deutsche Außenpolitik. Internationale Dimensionen des innerdeutschen Konflikts 1949–1972"; Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1973; 224 S., Pb. 28,– DM

weisen den Autor, den vor wenigen Wochen jung gestorbenen Trierer Politikwissenschaftler, als einen Angehörigen jener Zwischengeneration aus, die das Deutsche Reich zu Beginn ihres bewußten politischen Lebens in zwei Staaten zerfallen sah und aus dieser Erfahrung paradoxerweise den hoffnungsvollen Schluß zieht, der Vorgang müsse umkehrbar sein, das Getrennte sich irgendwie, irgendwann wieder aufeinander zu bewegen.

Was auch immer das Motiv dieser Studie gewesen sein mag – wir verdanken Ends Bemühungen zunächst einmal eine solide zeitgeschichtliche Analyse der Determinanten und Etappen der ersten Phase deutsch-deutscher Konfrontation, später zaghaft-umständlicher Wiederannäherung; selbstbewußt konnte End schreiben, seine Analyse könne durch die Veröffentlichung weiteren Materials zwar ergänzt, aber in den Grundzügen nicht entscheidend verändert werden.

Nun wissen wir also, beispielsweise, wie es zur Hallstein-Doktrin kam, die, wenn sie schon einen Namen tragen muß, eigentlich nach Erich Kaufmann benannt werden müßte – oder nach Heinrich von Brentano, dem damaligen Außenminister, der mit Starrheit und Härte das, was zunächst als eine politische Maxime konzipiert war, also einer gewissen Elastizität fähig sein sollte, zur Doktrin machte. Vergeblich plädierten Wilhelm Grewe und Walter Hallstein dafür, sich pragmatisch von Fall zu Fall zu entscheiden, also die jeweilige Reaktion der Bundesrepublik (auf eine Anerkennung der DDR durch einen dritten Staat) den jeweiligen Gegebenheiten anzupassen.

Solche Einzelheiten interessierten End im Grunde nicht. Er hatte wenig übrig für das, was er, auf mich und andere bezogen, so hübsch wie boshaft eine "gehobene Art von Memoirenliteratur aus dem Elfenbeinturm der Nichtdabeigewesenen" nannte. Seine zeitgeschichtliche Einleitung war für ihn daher nur ein Steinbruch, aus dem er das Material für die eigentliche, die systematische Darstellung, für "praxisbezogene Prognosen und Trendanalysen, die dem politischen Handeln als Orientierungshilfe dienen", zu gewinnen hoffte.