Der Gesellschaft und ihrer Geschäftsführung wurde eine Fachkommission aus unabhängigen Sachverständigen beigeordnet. Sie sollte die Grundlagenforschung für die neuen Bewertungsrichtlinien erarbeiten, Daten aufbereiten und Verfahrenspraktiken entwickeln. Aber bereits im Gesellschaftsvertrag hatte sich der Wohnungsbauminister maßgebenden Einfluß auf die Gesellschaft gesichert.

Die Verbandsvertreter indes bauten auf die unabhängigen Sachverständigen und glaubten, dadurch den Einfluß des Bundes auf die künftigen Bewertungsfragen in Grenzen zu halten.

Doch schon in den ersten Arbeitssitzungen zeigte sich, daß der Wohnungsbauminister sich nicht gängeln lassen, sondern vielmehr selber gängeln wollte. Ein Mitglied der Gesellschaft "Die Vertreter des Ministeriums sprachen häufig vom politischen Impetus, mit dem die wissenschaftlichen Ergebnisse der Fachkommission versehen werden müßten. Da war uns klar, wohin die Reise geht."

Im Bonner Wohnungsbauministerium allerallerdings wird energisch bestritten, es sei der Versuch gemacht worden, die Sachverständigen vor den Karren einer bestimmten Bewertungspolitik zu spannen. Regierungsdirektor Berkefeld gibt zwar zu, daß es wegen der Unabhängigkeit der Sachverständigen zu Reibereien gekommen sei, diese seien jedoch ausgeräumt worden. Daß Bonn sein Interesse an der Gesellschaft verloren habe und daher die Liquidation beschlossen wurde, habe ganz andere Gründe. Berkefeld: "Die Gesellschaft war zeitlich und finanziell nicht in der Lage, die anstehenden Aufgaben zu bewältigen."

Architekt Wilhelm Klocke, Sachverständiger in der Fachkommission der Gesellschaft, hält diese Argumentation allerdings für fadenscheinig. Er meint vielmehr, das Ministerium sei überfordert, die Bewertungsprobleme zentrale Fragen bei der Reform des Bodenrechts – mit einem Zwei-Mann-Referat zu bewältigen, wie es gerade jetzt erst vom Ministerium eingesetzt worden sei. Der Vorteil, die Bewertungsprobleme von Amts wegen zu lösen, liegt allerdings auf der Hand. Denn nun braucht das Ministerium nicht zu fürchten, daß ihr "politischer Impetus" durch Sachverständige von außerhalb durchkreuzt wird. Klocke: "Was das Ministerium macht, ist ja von vornherein richtig. Wir waren denen dabei zu unbequem."

Richtig fand Regierungsdirektor Berkefeld, daß die Gesellschaft auch aus finanziellen Gründen aufgelöst wird. Denn bereits bei der Gründung war die Liquidation für den Fall vereinbart worden, daß die Hälfte des Kapitals der Gesellschaft aufgebraucht ist.

Dieser Fall war tatsächlich eingetreten; denn bisher konnte die Gesellschaft aus ihrem beabsichtigten Dienstleistungsgeschäft noch keine Einnahmen verzeichnen. Doch Bonn hat selbst dazu beigetragen, daß die Mittel schnell erschöpft waren. Architekt Klocke: "In Aussicht gestellte Forschungsmittel für die Gesellschaft wurden nicht gewährt, sondern anderweitig vergeben."