Von Heinz Michaels

An den Fließbändern der Opel-Werke in Bochum zirkulieren seit einiger Zeit Unterschriftslisten, mit denen drei Betriebsräte sich selbst und ihre 36 Betriebsratskollegen absetzen möchten, in der Hoffnung, dann selbst die Macht übernehmen zu können.

Die Handhabe hierzu bietet ihnen das Betriebsverfassungsgesetz, wonach ein Viertel der wahlberechtigten Arbeitnehmer beim Arbeitsgericht die Auflösung des Betriebsrats beantragen kann. Daß dem Betriebsrat eine "grobe Verletzung seiner gesetzlichen Pflichten" nachgewiesen werden muß, ficht die Agitatoren dabei kaum an. Ihnen geht es allein um die Propagandawirkung eines solchen Coups.

Die Unterschriftenaktion ist der vorläufige Höhepunkt einer Auseinandersetzung, die die Mehrheit des Betriebsrats seit Monaten mit der "Basis-Gruppe Opel" austrägt und die sich zu einem Lehrstück für Arbeitsweise und Taktik "roter Zellen" in den Betrieben entwickelt.

Angefangen hatte es damit, daß sich vor etwa drei Jahren der Religionslehrer Wolfgang Schaumberg und der Volksschullehrer Klaus Schmidt bei den Opel-Werken als Hilfsarbeiter verdingten. Statt in der Schule die Kinder zu indoktrinieren, wollten sie nun über den Betrieb die Welt verändern. Sie verhehlten nicht, daß sie Kommunisten sind, und auch ihre Verbindung zur "Basis-Gruppe Opel" der KPD/ML wurde bald offenbar.

Günter Perschke, der Betriebsratsvorsitzende bei den Bochumer Opel-Werken, meint allerdings, daß die Saat für die heutige Entwicklung schon früher, Anfang der sechziger Jahre gelegt wurde. Als die Stadt Bochum das Gelände der stillgelegten Zeche Mansfeld an die Adam Opel AG verkaufte, bemühten sich die Stadtväter gleichzeitig um die Ruhruniversität. Fast Tür an Tür wurden neben der Automobilfabrik die Betonklötze der neuen Universität aus dem Boden gestampft.

Hier wuchsen dann, so Perschke, die geistigen Urheber der Auseinandersetzung heran. "Die Studentenunruhen der sechziger Jahre wirkten sich natürlich auf die Nachbarschaft aus." Aus einer der linksradikalen Studentengruppen bildete Sich jedenfalls die "Basis-Gruppe Opel", die schließlich bei der KPD/ML landete, jener Gruppe, deren Mitglieder von Bundeskanzler Brandt nach dem Bonner Rathaussturm als "Chaoten" klassifiziert wurden und die den sowjetischen Parteichef Breschnjew bei seinem geplanten Besuch in Dortmund mit einer Protestdemonstration empfangen wollten.