Von Wolf Donner

Im Tiefflug jagt der kleine Achtsitzer über die Trocken-Savanne Südkenias; Herden von Zebras, Gnus und Antilopen stieben unter uns auseinander. Nördlich des Kilimandscharo, mitten in der Dürre des Amboseli-Wildparks, setzen wir auf. Ein weißer. Mercedes, fünf Jeeps, viele Neger in schwarzen Anzügen: Unmittelbar nach uns landen auf der kaum sichtbaren Piste der Vizepräsident Kenias, Daniel Arap Moi, und dann Prinz Amyn, Bruder, des Aga Khan. Sie werden in der Nähe ein neues Hotel einweihen, eine jener Lodges (ursprünglich: Hütte, Jagd-, Forsthaus), von denen es rund fünfzig in Kenia gibt und die Ausgangs- und Ruhepunkte des Safari-Tourismus sind.

In unseren Konvoi schert ein Lastwagen voller braunrot bemalter und bekleideter junger Männer ein: Massai-Krieger, die herbeikutschiert werden, um zur Eröffnungsfeier zu tanzen. Diese stolzen, traditionsreichen Nomaden hat die Regierung bisher nirgends fest ansiedeln können. Es ist ihr Land, sie sollen von dieser und der anderen neuen Lodge nordwestlich im Mara-Park profitieren: durch eine offizielle Abgabe pro Besucher und durch die 140 neuen Arbeitsplätze, die, so versichern die Unternehmer, jeweils etwa acht Afrikaner ernähren werden.

Ein Schulchor kräht ein Lied nach dem anderen, dann tanzen die Massai: ein monoton-rhythmisches Stampfen auf der Stelle zu einem seltsam hechelnden, dumpfen Keuchen. In den seltsam danach wird, viel von Fortschritt, Entwicklung und Kooperation gesprochen, von Entwicklung und Kooperation "Wir wollen ausländische Unternehmer zu Investitionen ermuntern", sagt Unternehmer Mr. Moi. Kenia soll die Schweiz Afrikas werden, zum Wohle der Touristen, der Regierung, der Finanzgruppen. Und natürlich der gierung,

Als diese jedoch, wie die übrigen Gäste, zum Festbankett drängten, hatte die Partizipation erst einmal ein Ende. Da blieb man schön unter sich und fand es sehr komisch, daß die geschmückten Krieger immerhin die offene Hotelhalle besetzt hielten. Künftig werden sie hier höchstens als livrierte Kellner oder Boys Zutritt finden.

In die Lodges geht man nicht mit der Erwartung eines Luxusurlaubs nach internationalem Hotelstandard. Einige, etwa die der Block-Reihe, bieten mehr Komfort, andere, wie die zwei neueröffneten der Serena-Gruppe, weniger. Die Motive, hierher zu kommen, sind eher die Landschaft und die Tiere, die Wildparks, "adventuretourism", wie ihn vor allem die Amerikaner schätzen: Photo- und vielleicht sogar Jagd-Safaris, afrikanische Lagerfeuer-Abende, Zelten, Touren in kleinen Gruppen durch die offenen, unermeßlich weiten Tierschutzgebiete, Begegnungen mit den Landesbewohnern. In den Parks bewegt man sich meist in VW-Bussen mit hochklappbarem Verdeck. Von der Amboseli-Serena-Lodge ergeben sich Touren zum Kilimandscharo, von der Mara-Serena-Lodge Ausflüge zum Victoria-See und in die unmittelbar sich anschließende Serengeti. Vom Osten des Tsavo-Parks, des größten Kenias (20 570 qkm), ist man in wenigen Stunden am Indischen Ozean.

Mit seinem angenehmen Klima und der abwechslungsreichen Landschaft, der gemäßigtliberalen Regierung des "Flammenden Speers" Jomo Kenyatta, der seit 1963 regiert, mit seiner Märchenbuch-Küste und seiner kultiviert-britischen Tradition ist Kenia immer das touristische Musterländle Afrikas gewesen, war es vor zwei Jahren fast zu einer Mode geworden wie heute Mexiko. 600 000 Besucher waren letztes Jahr dort, davon 40 000 Deutsche. Neben Kaffee und Tee sind die Touristen der wichtigste Devisenbringer des Landes.