Von Hermann Bößenecker

Rudolf von Bennigsen-Foerder, Generaldirektor der Veba, sprach aus, was viele befürchten, aber niemals laut sagen: "Wann der black out kommt, weiß man nicht, aber daß er kommt, ist sicher."

Ein Grund für die drohende Energiekrise sind die Schwierigkeiten beim Bau neuer Atomkraftwerke. Vor allem Proteste örtlicher Umweltschützer gegen geplante Kernkraftwerke verlängern die Frist von der ersten Planung bis zur Fertigstellung eines Projekts zusehends. Bernd Lupberger, Vorstandsmitglied des Energieversorgungs-Unternehmen Bayernwerk warnt: "Jedes Hindernis auf dem Wege zur Atomkraft verstärkt unsere Abhängigkeit von den Ölländern."

Dabei stehen die immer länger werdenden Genehmigungsverfahren im Widerspruch zu einer positiveren Einstellung der meisten Bundesbürger zur Atomenergie. Der Anteil der Personen, die über sie uneingeschränkt oder zurückhaltend positiv urteilen, ist von 1957 bis 1972 von 54 auf 74 Prozent gewachsen, die Quote der Skeptiker und der ausgesprochenen Pessimisten halbierte sich von 40 auf 20 Prozent. Aber immer noch stimmten 43 Prozent aller viertausend Befragten der Aussage zu: "Heute kann noch niemand. ahnen, was die Atomkraft alles für Unheil anrichten wird" (vor vier Jahren waren es allerdings 58 Prozent).

Gerade in jüngster Zeit lösten eine Reihe von Vorhaben wahre Proteststürme aus. Gegen ein Atomkraftwerk in Breisach am Rhein liefen nicht nur die Winzer Sturm, die von den Frischwasser-Kühltürmen Schaden für ihre Rebstöcke befürchten. Chemiestudenten aus dem benachbarten Freiburg schlossen sich ihnen im Kampf gegen die "Teufelswerke" an. Gegen ein Projekt in Grafenrheinfeld vor den Toren Schweinfurts sammelte eine Bürgerinitiative 36 000 Protest-Unterschriften. Ihr Motto: "Atomtod auch ohne Bombe."

Eine unspezifische Angst vieler Bürger mischt sich dabei nicht selten mit reiner Agitation kleinerer politischer Zirkel. Aber auch unter Experten ist die Wahl eines Standorts nicht immer unstrittig. "Ob die Idee besonders glücklich war, ausgerechnet mitten in die Weinberge von Breisach zu gehen, möchte ich offenlassen", erklärte ein exponierter Energiefachmann. Mittlerweile ist Schwörstadt als neuer Platz für das ungeliebte Energieprojekt im Gespräch.

Auch Professor Wolf Häfele vom Kernforschungszentrum Karlsruhe hat in Schweinfurt eingeräumt, Stromerzeugungsanlagen sollten möglichst nicht in den Zentren des Verbrauchs, sondern in Küstennähe angesiedelt werden, auch wenn man höhere Leitungskosten in Kauf nehmen müsse. In der Elektrizitätswirtschaft denkt man darüber allerdings anders.